In der ersten Folge der Serie stellt sich Pia vor. Lesen Sie hier.
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Mein Handy klingelte und eine unbekannte weibliche Stimme meldete sich: "Das Biopsieergebnis ist da. Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass Sie Brustkrebs haben. Ob der Krebs gestreut hat, wissen wir noch nicht. Weitere Untersuchungen können wir erst in einer Woche machen."
Und damit entließ mich die Stimme in die wohl intensivste Woche meines Lebens. Eine Woche. In der ich zum ersten Mal mit meiner Diagnose konfrontiert war und keine Ahnung hatte, wie übel die ganze Sache war.
Pia Pritzel
Eine Woche, in der ich oft innerlich erstarrte. Mich nicht bewegen konnte und von meinem Partner an die Hand genommen und an die Luft gebracht wurde. Unter Menschen. In die Sonne, wo meine Freundinnen dazustießen und wir uns umarmten.
Eine Woche, in der ich mit meinen besten Freundinnen spontan ans Meer fuhr. Um aus dem Gedankenchaos auszubrechen. Um Pommes zu essen und den Wellen zuzuschauen.
Eine Woche, um die Wände in unserer Wohnung zu streichen. In Rosa. Um den Balkon endlich auf Vordermann zu bringen. Alle kamen, um zu helfen. Wir sprachen nicht. Wir machten einfach.
Eine Woche, in der nur ein Wort reichte, um meinen Partner und Freundinnen um mich zu versammeln.
Diese Woche zog sich wie Kaugummi in die Länge. Sie war so fürchterlich und so wunderschön zugleich. Am Ende die erlösende Nachricht: Der Krebs hat nicht gestreut.
Mein Partner und meine Freundinnen blieben an meiner Seite.
Mein Partner stellte mir vor jeder Chemo ein nahrhaftes Frühstück auf den Tisch und nahm mich nachts in den Arm, wenn mich die Angst überrollte.
Meine Freundinnen schenkten mir zu jeder Chemo einen Blumenstrauß und erstellten mir einen Unterstützungsplan, in den sich jede eintrug. Sie lenkten mich mit Themen aus ihrem Alltag ab oder sie gaben mir Raum, wenn ich nichts sagen wollte oder konnte.
Meine Reise geht weiter, bald startet die Bestrahlung. Aber ich weiß, dass ich nicht allein im Zug sitze.

