chrismon: In Deutschland diskutiert die Politik derzeit ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Ein Gegenargument ist, dass die Jugendlichen sich Wege suchen werden, das Verbot zu umgehen. Halten sich die Jugendlichen in Australien tatsächlich an die Vorgaben?
Peter Demuth: Ich denke, dass die Umsetzung weitgehend funktioniert. Die Verantwortung liegt nun primär bei den Plattformanbietern. Es gibt Alterserkennungssysteme – etwa über Biometrie –, um den Zugang zu regeln. Natürlich gibt es immer Möglichkeiten, so etwas zu umgehen. Besonders ältere Jugendliche, die bereits Konten hatten, suchen sich diese Möglichkeiten. Ich sehe jedoch eine Parallele zum Alkohol- oder Nikotinverbot: Es verhindert zwar nicht jeden Missbrauch, stellt aber sicher, dass die breite Mehrheit keinen einfachen Zugang mehr hat. Für Zehnjährige ist es nun deutlich schwieriger, überhaupt ein Konto in den sozialen Netzwerken zu erstellen.
Welche gesellschaftliche Wirkung hat ein solches Verbot über die technische Sperre hinaus?
Das Gesetz entlastet Eltern und Schulen enorm. Ich bin Vater von 13-jährigen Zwillingen, die langsam nach mehr Onlinezugängen fragen. Wenn Eltern ihren Kindern soziale Medien verbieten, können sie nun auf einen offiziellen sozialen Standard verweisen. Es ist dann nicht mehr nur eine private Erziehungsentscheidung, sondern geltendes Recht. Das nimmt den enormen sozialen Druck von den Familien.
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