Figur mit lauter Sprechblasen
Kati Szilagyi
Psychotricks
Am Telefon beschwatzt
Erst Überredungskunst, dann Druck auf die Tränendrüse: Gegen aufdringliche und unseriöse Kundenhotline-Mitarbeiter darf man sich zur Wehr setzen, findet Stefanie Schardien
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Aktualisiert am 04.02.2026
2Min

Sabine M. aus Stuttgart fragt:

Ein Mitarbeiter meines Telefon­anbieters rief an, ein "Routinecheck meiner Daten". Dabei beschwatzte er mich, dem Erhalt von Werbemails zuzustimmen. Am Tag danach machte ich das über den Telefonservice rückgängig und beschwerte mich. Die Reaktion: "Ich kann das aufnehmen, aber das kann den Kollegen den Job kosten. Wollen Sie das?" Eine Ermahnung hätte mir ja schon gereicht. Soll ich jetzt etwa meinen Unmut runterschlucken?

Stefanie Schardien antwortet:

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Stefanie Schardien

Dr. Stefanie Schardien, geboren 1976, ist Theologin und seit 2024 Theologische Geschäftsführerin des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik. Zuvor war sie Pfarrerin in St. Michael in Fürth. Sie war Juniorprofessorin an der Universität Hildesheim für Systematische Theologie und arbeitete als Pfarrerin für Kindergottesdienst im Amt für Gemeindedienst der Bayerischen Landeskirche. Von 2019 bis Ende 2024 gehörte sie zum festen Team der ARD-Sendung "Das Wort zum Sonntag".

Man kann dem Telefonanbieter bei seiner Marketingstrategie ­zugutehalten, dass er Ihre Ein­willigung zumindest aktiv und deutlich am Telefon eingeholt hat. Wie oft bekommt man Werbung, der man wissentlich nie zugestimmt hätte? Insofern war der Mitar­beiter rechtlich auf der sicheren Seite. ­Damit hört mein Verständnis aber auch schon auf.

Denn zum einen sind die Mitarbeitenden geschult, Menschen wie Sie geschickt um den Finger zu wickeln, um der Firma Profit zu verschaffen, indem sie ihre Werbung ausbaut und Daten sammelt. Zum anderen sollte die Firma, die Ihre freiwillige Zustimmung gern ent­gegeng­enommen hat, Ihre Freiheit ebenso gern achten, wenn Sie Ihre Einwilligung zurückziehen. Was der ­Telefonservice bei Ihnen versucht hat, ist in der Psychologie unter "Schuldumkehr" oder ­"Blame-Shifting" bekannt.

Man versucht, Ihnen ein Schuldgefühl zu geben, obwohl das Beschwatzen am Vortag wohl eher fragwürdig war. Dass eine einzelne zu­rückgezogene Werbeeinwilligung den Mitarbeitenden seinen Job ­kos­ten sollte, scheint mir doch sehr dramatisch an den Haaren herbeigezogen. Lassen Sie sich also nicht verunsichern und nutzen Sie die Erfahrung für die nächs­ten derar­tigen Anrufe.

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