Religiöse Gemeinschaften
Ist das eine Sekte?
Ob eine Gemeinschaft harmlos oder riskant ist, zeigt sich nicht sofort. Wir erklären, woran man problematische Gruppen erkennt und warum Fachleute das Wort Sekte kaum noch nutzen
Ring- kronenförmig angeordnete Papierfiguren, die sich an den Händen halten
Religionen stiften Gemeinschaft. Nicht immer tut die Gemeinschaft den einzelnen gut.
jamesbrey / Getty Images
Privat
Aktualisiert am 11.05.2026
5Min

1. Woher kommt der Begriff Sekte?

Sekte stammt vom lateinischen Secta – "Richtung" oder "Lehre" – ab, verwandt mit sequi ("folgen"). "Damit ist eine Sekte nichts anderes als eine Gefolgschaft", schreibt der Theologe Eduard Kopp. Ursprünglich war der Begriff wertneutral und bezeichnete philosophische oder religiöse Schulen. Auch das frühe Christentum war, aus jüdischer Sicht, eine Sekte: die "Nazarener".


2. Was versteht man heute unter dem Begriff Sekte?

Der Begriff Sekte ist heute sehr negativ konnotiert. Daher wird er von der Wissenschaft und von Beratungsstellen nicht mehr verwendet. Umgangssprachlich meint Sekte meist eine Gruppe, die sich von einer Mutterreligion abgespalten hat. Sie entwickelt eigene Lehren oder heilige Texte und definiert sich im Gegensatz zur Ursprungstradition.


3. Wie kam es zum negativen, abwertenden Beiklang des Begriffs Sekte?

Für die Mutterreligionen waren Gruppen, die sich abspalteten, ein Problem. Anderseits war die Mutterreligion für solche Gruppen ebenso ein Problem, denn sie mussten ihre Abspaltung ja begründen, was oft zu einer Abwertung der Mutterreligion führte. So gehörte es zum jeweiligen Selbstverständnis, sich voneinander abzugrenzen.

Das zeigt sich auch in der christlich-jüdischen Geschichte, die lange Zeit von gegenseitiger Abneigung geprägt war. Später hat die christliche Kirche, die selbst aus einer jüdischen Sekte hervorgegangen ist, christliche Sekten als Bedrohung angesehen. Da es etwa im christlichen Mittelalter keine Trennung von Kirche und Staat im heutigen Sinne gab, haben sowohl weltliche als auch kirchliche Autoritäten Sekten oftmals nicht nur als Bedrohung für die Kirche, sondern auch als Bedrohung für die gesamte Gesellschaft und ihre Ordnung angesehen. Sektiererischen Gruppen drohten daher Verfolgung und Tod.

chrismon Spendenabo doppeltgut
doppeltgut
Digitales Spendenabo abschließen und weiterlesen

4 Wochen gratis testen, danach mit 10 € guten Journalismus und gute Projekte unterstützen.
Vierwöchentlich kündbar.

Dieser Text erschien erstmals am
Die Kommentarfunktion ist nur noch für registrierte Nutzer verfügbar. Um einen Leserkommentar schreiben zu können, schließen Sie bitte ein Abo ab, schreiben Sie uns eine Mail an leserpost@chrismon.de oder diskutieren Sie auf Instagram, Facebook und LinkedIn mit.