Christus auf Osiris’ Thron
Christus auf Osiris’ Thron
H. Keel-Leu©Stiftung Bibel+Orient, Freiburg, Schweiz
Christus auf Osiris’ Thron
Bibelexperte Thomas Staubli erklärt wie die Vorstellung vom Jüngsten Gericht entstand.
Thomas Staubli, Mitbegründung, Aufbau und Leitung des BIBEL+ORIENT Museums der Universität FribourgSophie Stieger
12.11.2019

Gott möge mich wiegen auf rechter Waage, so wird er erkennen meine Unschuld!" (Hiob 31,6). Die Vorstellung, die ­Herzensgüte eines Menschen lasse sich wiegen, war im alten Ägypten sehr verbreitet. Die Illustration oben zeigt einen Verstorbenen (ganz rechts im Bild) vorm Totengericht.

Thomas Staubli, Mitbegründung, Aufbau und Leitung des BIBEL+ORIENT Museums der Universität FribourgSophie Stieger

Thomas Staubli

Thomas Staubli, Jahrgang 1962, lehrt am Departement für Biblische Studien der Universität Freiburg (Schweiz) und leitete dort bis 2012 das "Bibel- und Orient-Museum". Der studierte Theologe, Religionswissenschaftler, Ägyptologe und Orientalist hat unter anderem auch in Jerusalem, Berlin und Bern gelebt. Von 1986 bis 87 war er Studienleiter der Dormition Abbey, Jerusalem. Bis 1994 leitete er die Bibelpastoralen Arbeitsstelle in St. Gallen.

Sein Herz wird auf die Waage gelegt und gegen eine kleine Figur der Göttin Maat aufgewogen; Maat steht für die gerechte 
Weltordnung. Der schakalköpfige Anubis wiegt das Herz. Der ibisköpfige Sekretär Thot berichtet das Resultat an Osiris, den Totenrichter. Die Totenfresserin vor seinem Thron, halb Krokodil, halb Nilpferd, wartet darauf, das Herz zu verschlingen, sollte es die Prüfung nicht bestehen.

Christen adaptierten später diese alt­ägyptischen Symbole für ihre Dar­stellungen des Jüngsten Gerichts. Die Gottesmutter Maria übernahm die Rolle der Göttin Maat. Anstelle des Anubis wog Erzengel Michael die ­Herzen. Und Petrus – anstelle von Thot – leitete das Ergebnis an ­Chris­tus weiter, auf dessen Thron vorher Osiris gesessen hatte.

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