- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können
Für Menschen, die ihre Heimat verlassen, hat sich der Ire Colm Tóibín schon immer interessiert - etwa in seinen Romanen "Brooklyn" und "Long Island". Auch in seiner psychologisch fein austarierten Erzählung "Die Schwestern" erzählt er von solchen Erfahrungen. Fünfzig Jahre ist es her, dass eine Witwe ihr katalanisches Dorf verließ, um in Argentinien ihr Glück zu suchen - zusammen mit drei Töchtern im Teenageralter. Tóibín erzählt im Rückblick, welche Wege die drei gegangen sind - und davon, wie sie Jahrzehnte später wieder mit der Vergangenheit zu tun bekommen. Eine Tante vererbt ihnen ein Häuschen in den Pyrenäen, und plötzlich stellen sich Überlegungen ein, ins alte Dorf zurückzukehren ...
Von einem weniger spektakulären, aber nicht minder existenziellen Ortswechsel erzählt die US-Amerikanerin Elizabeth Strout. Wieder greift sie auf vertraute Figuren zurück: auf die Autorin Lucy Barton, die Lehrerin Olive Kitteridge und den Anwalt Bob Burgess. Lucy und ihr Ex-Mann William haben in der Corona-Zeit New York verlassen und sich in ein Küstenstädtchen in Maine zurückgezogen. Dort gehen sie nun spazieren, denken über die Fehler ihres Lebens nach und beginnen, sich pausenlos Geschichten zu erzählen – Geschichten von "gebrochenen Menschen", die ein "unbeachtetes Leben" führen. "Erzähl mir alles" ist ein warmherziges und unsentimentales Buch.




