Leben im Kloster
Was ich von einer Nonne über Freiheit gelernt habe
Schwester Maria ist 27 und Nonne. Sie weiß, wie ihr Leben im Kloster aussehen wird. Unserer gleichaltrigen Autorin Monja Stolz stehen noch viele Wege offen. Aber wie entscheidet man sich?
Schwester Maria und Monja Stolz im Gespräch
Schwester Maria wusste schon mit 14, dass sie Nonne werden will
Juliane Herrmann für chrismon
Lena Uphoff
03.09.2026
11Min

5.25 Uhr

Um 5.25 Uhr läuten die Glocken des Benediktinerinnenklosters in Köln. Für Maria Hlupic bedeutet das: aufstehen. Um Punkt sechs betritt sie mit ihren 18 Ordensschwestern die kleine Klosterkirche. Sie verneigen sich tief vor dem Altar und nehmen ihre festen Plätze ein. Maria gähnt noch einmal, dann beginnen die Laudes, das Morgengebet. Eine halbe Stunde lang singen die Schwestern ausgewählte Psalmen, mal im Wechsel, mal alle zusammen. Mal im Sitzen, mal im Stehen. Marias Augen folgen konzentriert den Worten, während sie mit hoher dünner Stimme vor sich hersingt.

Als ich Schwester Maria für 24 Stunden im katholischen Benediktinerinnenkloster besuche und um kurz vor halb sechs vom Läuten der Klosterglocken geweckt werde, denke ich, wie gut ich es in meinem Alltag doch habe. Wenn ich abends mal länger in der Kneipe war, stehe ich eben eine halbe Stunde später auf. Schwester Maria kann nicht einfach liegen bleiben. Mit ihrer Entscheidung für das Nonnenleben kam auch die Verpflichtung, jeden Morgen in aller Herrgottsfrühe aufzustehen.

Wenn der Wecker klingelt, wünscht auch Maria sich manchmal, sie könne noch mal liegen bleiben. Es würde ihr aber niemals einfallen, sich über die Tagesstruktur der Benediktinerinnen hinwegzusetzen. Also streift sie sich ihr schwarzes Habit über, ihre Ordenskleidung. Sie muss nur zwischen Sommer- und Winterversion wählen. Bei 35 Grad wie heute ist das keine Frage. Trotzdem ist das immer noch ganz schön viel Stoff, den sie da trägt, dazu kommt die eng anliegende Haube. "Mittlerweile habe ich mich akklimatisiert, aber der erste Sommer im Habit war echt heiß", sagt Maria. Das beste Schuhwerk: Trekkingsandalen. Diese lugen bei fast allen Kölner Benediktinerinnen unter dem weiten Kleid hervor.

Wenn ich morgens vor meinem Kleiderschrank stehe und überlege, was ich anziehen soll, gibt es einiges zu berücksichtigen: die Temperatur, den Anlass, die Praktikabilität und vor allem die Frage, ob ich mit meinem Outfit bei den Menschen, die ich heute treffe, auch so rüberkomme, wie ich es mir wünsche. Für die Arbeit sollte es nicht zu freizügig sein, seriös, aber nicht zu sehr von meinem üblichen Stil abweichend. Treffe ich mich abends in größerer Runde, sollte das Outfit cool aussehen: große Ohrringe, weite Hose, vielleicht ein Hemd. Übernachte ich bei meinem Freund, sollte die Hose kombinierbar sein, so dass ich nur ein Wechseloberteil mitnehmen muss. Dazu kommen weitere Fragen: Schmuck? Zopf oder offene Haare? Welche Schuhe?

chrismon Spendenabo doppeltgut
doppeltgut
Digitales Spendenabo abschließen und weiterlesen

4 Wochen gratis testen, danach mit 10 € guten Journalismus und gute Projekte unterstützen.
Vierwöchentlich kündbar.

Die Kommentarfunktion ist nur noch für registrierte Nutzer verfügbar. Um einen Leserkommentar schreiben zu können, schließen Sie bitte ein Abo ab, schreiben Sie uns eine Mail an leserpost@chrismon.de oder diskutieren Sie auf Instagram, Facebook und LinkedIn mit.