Rami Lieberknecht, Jahrgang 2004:
Seitdem ich denken kann, pendle ich zwischen den Welten. Meine Mutter kam 1999 aus Uganda nach Deutschland und brachte zwei Töchter mit. Mit meinem deutschen Vater bekam sie meinen Bruder und mich. Für die ugandische Verwandtschaft bin ich "der Deutsche" - für die Verwandten meines Vaters bin ich "der Ugander", der schon allein durch die Hautfarbe auffällt.
Das Gymnasium war auch eine Welt für sich. Das wurde mir gleich in den ersten Tagen in der fünften Klasse klar. Wir sollten uns zum Klassenfoto aufstellen. Alle Jungs hatten Jeans und Hemd an. Ich kam in Jogginghose und Jacke. Ich wusste nicht, was daran falsch sein soll. Bis die anderen Bemerkungen machten: Jogginghose auf dem Klassenfoto - das gehe ja gar nicht.
Meine Eltern trennten sich, meine Mutter zog uns allein groß und arbeitete sehr viel. Trotzdem war das Geld immer knapp. Als die erste Klassenfahrt anstand, dachte ich nur: Wie kriege ich die 200 Euro dafür zusammen? Am Ende legte die ganze Familie zusammen. Genießen konnte ich die Fahrt trotzdem nicht.
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