- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können
Wie ist es, so einem Flussdelfin in die Augen zu sehen? "Das zählt zu den schönsten Momenten meines beruflichen Lebens", sagt Dirk Embert. Der 51-jährige promovierte Biologe arbeitet seit 14 Jahren beim WWF und hilft mit beim aktiven Schutz der Flussdelfine im Amazonas. Regelmäßig reist er nach Südamerika, um den Bestand der Tiere zu prüfen, ihren Gesundheitsstatus zu checken und dann, in Abstimmung mit den regionalen Partnerorganisationen und Behörden, Schutzmaßnahmen zu besprechen.
Um die Tiere zu untersuchen, müssen sie aus dem Wasser geholt werden, in einer Gemeinschaftsaktion von vielen Menschen, die mit Treibnetz, Booten und auch direkt im Wasser das Tier behutsam ans Land drängen, dort einfangen und mit einem Tragenetz heraustragen. Ausgewachsene Tiere können bis zu 2,50 Meter lang und 300 Kilo schwer sein. Emberts Team untersucht die Tiere mit Ultraschall, nimmt Blut- und Gewebeproben und entlässt sie dann, oft mit einem Sender in der Rückenflosse für die Nachverfolgung, wieder ins Wasser.
Flussdelfine sind faszinierende Tiere. Wie ihre im salzigen Meer lebenden Namensvettern gehören sie zur Familie der Wale, sind also Säugetiere im Wasser. Süßwasserdelfine gibt es in Asien; dort allerdings nur noch in sehr geringer Zahl, eine Art ist bereits ausgestorben. Und es gibt sie im Amazonasgebiet. Alle Jahre wieder tritt der gewaltige Fluss über das Ufer und überschwemmt bei Hochwasser einen bis zu 100 Kilometer breiten Streifen Land. Die in ihm lebenden Süßwasserdelfine haben sich angepasst und im Lauf der Evolution einen beweglichen Hals entwickelt, so können sie auch zwischen den Baumwurzeln im Wasser jagen.
Noch gibt es grob geschätzt einige Zehntausend von ihnen, berichtet Dirk Embert. Doch längst stehen sie auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Sie sterben an einer Quecksilbervergiftung (das Nervengift wird beim Goldabbau freigesetzt) oder in den Netzen der lokalen Fischer, als Beifang oder weil die Menschen glauben, dass die Delfine ihnen die Fische wegfressen und sie deshalb direkt jagen.
Das Projekt des WWF wirkt in mehrere Richtungen. Delfine gelten als "Schirmart" für die Flusslandschaften. Und das heißt: Schützt man sie, dann schützt man gleichzeitig auch ihr direktes Umfeld: Fische, Reptilien, Pflanzen, alle profitieren. Ganz besonders wichtig ist dem WWF und den Projektpartnern vor Ort auch die Kommunikation mit den lokalen Gemeinden. So wurden in den letzten Jahren sogenannte Pinger beschafft – Hochfrequenzgeräte, die, an den Netzen angebracht, die Delfine weghalten, das rettet die gefährdeten Tiere und hilft den Fischern.
2023 starben im Lago Tefé und im Coari-See im brasilianischen Bundesstaat Amazonas über 300 Flussdelfine an den Folgen einer großen Dürre. Dirk Embert war kurz zuvor noch dort. Die Bilder der toten Tiere haben ihn erschüttert, aber auch motiviert: "Ich möchte in Zukunft noch härter für den Schutz dieser wunderbaren Tiere arbeiten."
Der World Wide Fund For Nature (WWF) ist eine der größten und ältesten Naturschutzorganisationen der Welt und in fast 100 Ländern aktiv. Mit 100 Euro Spenden finanzieren Sie eine Flussdelfin-Gesundheitsuntersuchung; ein Pinger für die Fischernetze kostet ca. 200 Euro.
Spendenkonto:
IBAN: DE06 5502 0500 0222 2222 22









