Von 100 runter auf null - kann das gutgehen? Ja, sagt unsere Autorin Sigrid Kneist. Aber die Anschaffung eines ganz bestimmten Möbelstücks war wichtig
Früh am Morgen ist der Tag am schönsten. Der ganze Tag liegt vor mir, und ich kann ihn frei gestalten. Um sechs, halb sieben, wenn die Stadt erwacht, starte ich meistens meine Walkingtouren durch die Parks der Umgebung.
Vor gut zwei Jahren war mein letzter Arbeitstag, ein Jahr später ging ich offiziell in Rente. Mehr als 35 Jahre hatte ich in der Redaktion einer Tageszeitung als Journalistin gearbeitet. Ich liebte meinen Job. Gleichzeitig wusste ich, dass es für mich der perfekte Zeitpunkt war, aufzuhören, als sich die Möglichkeit für einen finanziell abgefederten, vorzeitigen Ausstieg bot. Mein Mann hatte anderthalb Jahre zuvor sein Berufsleben beendet. Ich war damals schon neidisch und genervt, wenn er anders als früher vormittags so relaxt war und ich schon längst am Schreibtisch saß.
Zum Abschied überraschten mich die Kolleginnen und Kollegen mit einer fulminanten Party. Rund 80 Leute waren gekommen, um mit mir zu feiern. Diese Wertschätzung ließ mich wochenlang wie auf einer Wolke schweben. Erinnerungen an Missstimmungen, die es in den langen Jahren natürlich auch immer wieder gegeben hatte, wurden nebensächlich.
Für mich ist das eine wichtige Erkenntnis: Ein positiver, selbstbestimmter Ausstieg schafft die besten Voraussetzungen für einen guten Einstieg in eine Zeit ohne Arbeit.
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