Das Kind als Produkt unserer Erziehung zu sehen, sei eine fast narzisstische Selbsteinschätzung von Eltern, findet Autor Tillmann Prüfer
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Erziehungsmythen
"Kinder sind nicht die Glücksbringer ihrer Eltern"
Schadet es meinem Kind, wenn es nicht im Elternbett schläft? Der Journalist, Autor und vierfacher Vater Tillmann Prüfer hat sich scheinbar allgemeingültige Erziehungsformen angeschaut und entdeckt: Vieles ist gar nicht so gut belegt
Tim Wegener
16.04.2026
8Min

chrismon: Neulich war ich mit meinem Sohn auf dem Spielplatz und wollte nach Hause. Er nicht. Ich habe alles versucht: fragen, bitten, erklären, versprechen. Irgendwann war ich echt wütend. Was kann ich machen, wenn mein Kind einfach nicht hören will?

Tillmann Prüfer: Viele Eltern haben das Bedürfnis, mit ihrem Kind alles einvernehmlich zu regeln und die Beziehung auf Augenhöhe zu gestalten. Sie wollen vielleicht nicht in den Konflikt geraten und nicht sagen: Ich entscheide das jetzt und du richtest dich danach! Dann kommt man in so eine Situation wie die Ihre und ist gar nicht so, wie man sein wollte. Aber Sie haben den größeren Rahmen im Kopf: Es wird jetzt dunkel und kalt. Wir müssen jetzt nach Hause. Sie müssen ihm die Entscheidung abnehmen.

Dann ist er sauer und schreit.

Eltern trauen sich die Entscheidung nicht zu, weil sie fürchten, dass sie die Beziehung zu ihrem Kind schädigen. In der Wissenschaft findet sich kein Hinweis darauf, dass solche alltäglichen Kämpfe der Beziehung schaden. Das Problem ist nicht diese Situation, in der man irgendwann das Kind nimmt und sagt: So, wir gehen jetzt! Das Problem ist eher der Stress, den Sie sich machen, und die Unsicherheit, die man als Eltern empfindet. Die kann auch Kinder unsicher machen.

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Produktinfo

Tillmann Prüfer: Was Sie (wirklich) über Erziehung wissen müssen. dtv, 2026. 352 Seiten. 24 Euro.

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