Religion für Neugierige
Wann ist man eigentlich Christ oder Christin?
Dahinter stecken eine lange Geschichte und reiche Tradition. Aber man kann Glauben nicht vermessen, für jeden bedeutet er etwas anderes. Eine Annäherung
Bin ich am Ende doch ein Christ?
Lisa Rienermann
(Berlin) 11.02.16; Dr. Johann Hinrich Claussen, Portraet, Portrait; Kulturbeauftragter des Rates der EKD, Leiter des EKD-Kulturbueros, evangelischer Theologe Foto: Andreas Schoelzel/EKD-Kultur. Nutzung durch und fuer EKD honorarfreiAndreas Schoelzel
19.05.2026
3Min

Man hört es oft: "Die Gesellschaft" sei gespalten, "die Politik" sei abgehoben und "die Kirche" gehe den Bach runter. Die Alltagssprache fasst unübersichtliche Größen mit scheinbar eindeutigen Allgemeinbegriffen zusammen. Das lässt sich kaum vermeiden, führt aber häufig in die Irre. So zum Beispiel beim Christentum. Es wäre nämlich besser, von "Christentümern" zu sprechen. Das eine Christentum hat es nie gegeben. Der Glaube an Jesus Christus hat sich von Beginn an in unterschiedlichen Gruppen und Institutionen organisiert. Sicher, heute wird die Zugehörigkeit zum Christentum an der Taufe und einer Kirchenmitgliedschaft gemessen. Da ist viel dran. Eine Gemeinschaft gehört zum Glauben, es muss aber nicht immer "die Kirche" sein.

Die alltägliche Rede von "dem Christentum" ist also ein Problem. Allerdings nicht, weil sie religionsgeschichtlich falsch ist – das ärgert höchstens Fachleute –, sondern weil sie vielen Menschen die Möglichkeit nimmt, ihren eigenen Zugang zum Glauben zu finden und zu beschreiben. Zunehmend fällt es Menschen schwer, sich selbst als "christlich" zu bezeichnen. Das legen Studien wie die aktuelle Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung nahe.

Bei "christlich" denken viele an etwas Dogmatisches und Institutionelles, das ihnen fremd ist – wie etwa der Glaube an die Jungfrauengeburt oder an eine päpstliche Unfehlbarkeit. Natürlich gibt es Inhalte, die für den christlichen Glauben grundlegend sind. Doch das, was am Glauben "das Wesentliche" ist, lässt sich nicht wie Zentimeterstriche auf einem Maßband aneinanderreihen, um daran alle Gläubigen abzumessen. Man würde dem Glauben seine Lebendigkeit und den Gläubigen ihre Freiheit nehmen.

Manche erleben das Göttliche in der Natur

Der christliche Glaube lebt aus einer langen Geschichte und schöpft aus einer reichen Tradition. Am Ende allerdings müssen heute lebende Christenmenschen sich ihn aneignen. Die folgende Liste gibt eine Ahnung davon, auf welch vielfältige Weise dies geschieht.

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