chrismon: In Ihrem Comicbuch geht es um Sehnsucht, Herzschmerz und Verlassenwerden. Wie autobiografisch ist das?
Eric Schwarz: Ich nenne es nicht autobiografisch. Weder ich noch reale Personen treten als konkrete Figuren auf. Ich abstrahiere Gefühle und löse sie von meiner Situation. Aber Menschen, die mich gut kennen, empfinden es schon als autobiografisch. Andere hoffentlich als universell.
Ihre Comics bestehen fast immer aus vier Bildern und wenig Text. Warum diese Form?
Das ist eine typische Form für Web-Comics. Ich habe bei Instagram anfangen, meine Bildgeschichten hochzuladen, und immer mehr Menschen hat das gefallen. Diese Form zwingt mich, auf den Punkt zu kommen. Die Ideen müssen knackig sein, die Sätze kurz. Ich mag diese einfache Form sehr.
Eric Schwarz
Wie sehr bestimmt die Liebe Ihr Leben - auf einer Skala von null bis zehn?
Eine Acht. Es gab eine Phase, in der es noch stärker war. Ich hatte eine sehr intensive, schöne Beziehung mit einem Spanier - über vier Jahre, die schmerzhaft zu Ende ging. Das hat mich lange beschäftigt.
Warum ging die Beziehung kaputt?
Weil mein Freund sie nicht weiterführen wollte. Er hat mich verlassen. Wir sind vor vier Jahren nach Paris gezogen, in die Wohnung, in der ich jetzt noch lebe. Da er in Spanien wohnte und ich in Deutschland, lag Frankreich in der Mitte. Nach der Trennung habe ich überlegt, Paris zu verlassen, bin aber geblieben, weil ich mir hier ein Leben aufgebaut habe. Jetzt sind zwei Freunde eingezogen, wir wohnen als WG zusammen.
Mit wem sprechen Sie über Herzschmerz?
Mit engen Freunden, aber auch viel mit meiner Oma. Sie ist Mitte achtzig, ich habe noch eine Kellerwohnung in ihrem Haus in Saarbrücken und besuche sie oft. Ihr kann ich alles erzählen, sie hat in ihrem langen Leben schon sehr viel erlebt und versteht meine Gefühle. Sie gibt mir Trost und Wärme. In der Kellerwohnung meiner Oma habe ich übrigens meine Karriere als freischaffender Illustrator gestartet. Ich konnte umsonst wohnen und mich auf die ersten Aufträge konzentrieren.
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Ihre Tipps gegen Liebeskummer?
Die Gefühle aufschreiben, lange schwimmen, mit Freunden kuscheln, weit weg verreisen und Bücher über Liebe lesen.
Mittlerweile arbeiten Sie auch für die "New York Times". Wie kam das zustande?
Eine meiner Arbeiten wurde in New York ausgestellt, im Rahmen einer Auswahl der besten Illustrationen meiner Kunsthochschule. Dadurch wurde ein Artdirector der "New York Times" auf mich aufmerksam. Er schrieb mich an und daraus haben sich Aufträge entwickelt. Ich mache das sehr gern.
Was für Comics haben Sie als Jugendlicher gelesen?
Ich habe viel gelesen, aber nicht die klassischen Comics. Eher "Die Simpsons".
Ihre Figuren haben keine klar kennbaren Gesichter. Warum?
Je abstrakter die Figuren sind, desto leichter können sich verschiedene Menschen mit ihnen identifizieren. Außerdem spiele ich gern mit Reduktionen. Manchmal zeichne ich spezifische Gesichter – aber meistens gefällt mir das Einfache.
Auf der letzten Seite Ihres Buches steht in winzig kleiner Schrift: "Danke Josep", dann kommt ein kleines Herz und darunter steht "Eric". Wer ist Josep?
Es ist der Mann, mit dem ich zusammen war.
Wie hat er auf die Widmung reagiert?
Gar nicht. Ich weiß noch nicht mal, ob er überhaupt was von dem Buch mitbekommen hat. Nach unserer Trennung hatten wir noch ab und an Kontakt, aber seitdem das Buch rausgekommen ist, habe ich nichts mehr von ihm gehört. Aber das ist okay für mich. Das Buch zu zeichnen, hat mir sehr beim Verarbeiten und Loslassen geholfen. Es ist mein Abschluss mit der Beziehung. Und irgendwann werden wir auch wieder Kontakt haben, da bin ich mir sicher.
An was arbeiten Sie jetzt?
Mit meinem Zwillingsbruder Edgar schreibe ich an einem Märchencomic. Er textet sehr gut, ist auch Songwriter. Ich kümmere mich um die Bilder. In dem Märchen geht es um vier Brüder, die von einem Monster angegriffen werden und sich dann in verschiedene Tiere verwandeln, um der Gefahr zu entgehen. Damit mache ich auch gleich weiter.
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