Die Frau des Vermieters sorgt für Theater
1986 habe ich mit Freunden nach einem Raum gesucht, in dem wir Theater mit Hand und Fuß machen konnten. Wir fanden eine gerade verlassene Ballettschule.
Das Vermieterehepaar war ambivalent. Der Mann sagte zu seiner Frau, wir jungen Leute würden doch mit dieser Leidenschaft kein Geld verdienen und die Miete nicht zahlen können.
Seine Frau sagte: Ich glaube an diese jungen Leute! Und so bekamen wir die Räume, sogar die Sanierung hat das Vermieterpaar komplett übernommen. Das war eine tolle Starthilfe! Und: In diesem Jahr besteht das TuT, die Schule für Tanz, Clown und Theater 40 Jahre.
Corinna von Kietzell
Ein kleiner Junge brachte sie zur Kunst
Ich war 35 Jahre Lehrerin an einer Förderschule, obwohl mir jemand aus dem Bekanntenkreis riet: "Warum willst du es dir so schwer machen, arbeite doch als Sekretärin in der Praxis deines Mannes, da hast du es viel leichter!"
Nein, leicht wollte ich es noch nie haben – außerdem liebe ich Kinder. Als Lehrerin veranschaulichte ich den Unterricht durch Zeichnungen an der Tafel, zum Beispiel mit einem Harlekin. Bis ein kleiner Junge sagte: "Du bist ja eine Malerin!" Tatsächlich. Mir ging ein Licht auf.
Später, in der Coronazeit, waren meine Kunstwerke auf über 500 Bilder angewachsen und ich gründete auf Facebook mein ideelles Kunstprofil. Nach meinem Tod wird unser Privathaus den Menschen als Museum geöffnet werden.
So war ein kleiner Junge die Initialzündung für mein Lebenswerk als Künstlerin, und ein Friedenswerk, das auch als Kunst-Friedensmappe auf Messenger und bei Facebook um die Welt geht.
Moni Bachmann-Wagner
Die große Chance
Ich war stellvertretende Filialleiterin in einer Bank, als die Position der Filialleitung vakant wurde. Vom Vorstand war klar signalisiert worden, dass man extern besetzen wolle – aus verschiedenen Gründen.
Zwei meiner Vorgesetzten aus der Zentrale haben dennoch an mich geglaubt. Sie haben sich für mich eingesetzt, haben meine Fähigkeiten gesehen und meinem Ressortvorstand gegenüber vertreten. Am Ende wurde ich zur Leiterin einer großen Bankfiliale ernannt – und blieb dort elf Jahre, bevor der nächste berufliche Schritt folgte.
Dieses Vertrauen habe ich nie vergessen. Während meiner gesamten Berufstätigkeit habe ich immer wieder versucht, Menschen eine Chance zu geben. Auch denen, die nicht laut waren. Die sich nicht in den Vordergrund gedrängt haben.
Mir war wichtig, Potenziale zu erkennen und zu fördern – und nicht nur die sichtbarsten Stimmen zu hören. Vieles davon ist gelungen. Ohne den Glauben dieser zwei Menschen an mich wäre mein Weg ein anderer gewesen. Und vielleicht hätten auch manche Mitarbeitende nie die Chance bekommen, die sie gebraucht haben.
Vertrauen wirkt weiter. Oft viel weiter, als man im Moment ahnt.
Ute Szameitat
Leseraktion: Wer hat an dich geglaubt?
Diese Beiträge wurden von Leserinnen und Lesern verfasst. Wir möchten seit Anfang Januar wissen: Wer hat an dich geglaubt?
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