Erst Abitur, dann Studium: Mit 18 hält Sophia B. das für den "vermeintlich logischen Weg". Bald darauf aber bricht sie ihre Uni-Laufbahn ab und entscheidet sich für das Handwerk. In einem solchen Beruf sah sie sich schon zu Schulzeiten. 2022 beginnt sie schließlich eine Ausbildung zur Steinmetzin und Steinbildhauerin in einem Betrieb in Nordrhein-Westfalen.
Gleich in ihrer ersten Berufsschulwoche erfährt Sophia B. von der Tradition des Freischlagens und ist darüber fassungslos: "Ich dachte nur: What the fuck", erinnert sie sich. Dabei klingt "Freischlagen" nach Aufbruch, nach jemandem, der sich durchsetzt. Im Steinmetzhandwerk steht es für ein Ritual: Neu ausgelernte Fachkräfte beugen sich nach vorne und bekommen von ihrem meist männlichen Meister mit einer Holzlatte einen Schlag auf das Gesäß.
Sophia B. erzählt, wie ein Lehrer die Szene auf einem Foto zeigt und kommentiert: "In Zeiten von MeToo wird das bestimmt kritisiert." Für die junge Frau ist es ein Schock, "aber niemand hat etwas gesagt und auch ich habe mich nicht getraut".
Im Betrieb wird sie derweil gut aufgenommen. "Ich durfte schnell an Aufträgen mitarbeiten und kleine Bildhauer- und Steinmetzarbeiten machen." Das Kollegium war toll, einsam habe sie sich trotzdem gefühlt. "Ich fand es belastend, wie wir miteinander gesprochen haben." Ein rauer Ton, wenig Empathie und Achtsamkeit. "Ich konnte nie ganz ich selbst sein."
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