Religion für Neugierige
Ist es gut, sein Kind zu taufen?
Wenn Kinder klein sind, entscheiden die Eltern für sie. Das gilt auch für die Taufe - doch was gilt es hier zu beachten?
Ist es gut, sein Kind zu taufen?
MIt der Taufe gehört ein Kind zur Gemeinschaft der Christen
Lisa Rienermann
Lena Uphoff
17.04.2026
3Min

Es gibt wenige Dinge, die mit der eigenen Identität ähnlich stark verwoben sind, wie der Name, den man trägt. Und dennoch gibt es kaum Eltern, die sich wünschten, sie könnten ihrem Kind erst einmal einen vorläufigen Namen geben, bis das Kind alt genug ist, selbst zu wissen, welcher Name am besten passt. Ähnliches ließe sich für den Wohnort sagen und viele weitere Dinge, die von den Eltern über den Kopf des Kindes entschieden werden – in den allermeisten Fällen ohne Skrupel.

Anders bei der Taufe. Auch religiöse Eltern fragen sich nicht selten: Soll ich mein Baby taufen lassen? Oder warte ich lieber, bis es alt genug ist, diese Entscheidung selbst zu treffen?

Die Taufe ist biblisch belegt, im Neuen Testament wird von ihr berichtet. Jesus selbst tauft zwar nicht, aber er wird getauft. Von Johannes, der deswegen auch den Beinamen "der Täufer" trägt. Und Jesus sprach laut dem Matthäusevangelium zu seinen Jüngern: "… gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." (Mt 28,19)

Dass das wirklich geschah, beweist etwa der authentische Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom, der um 56 n. Chr. geschrieben wurde (Röm 6). Die biblische Apostelgeschichte erzählt sogar davon, dass sich Menschen wie etwa die Purpurhändlerin Lydia "mit ihrem Hause" taufen lassen. Hierbei waren Kinder sehr wahrscheinlich mitgemeint.

Die Taufe ist eine christliche Erfindung, sie steht religionsgeschichtlich jedoch in der Tradition anderer ritueller Reinigungen. Es geht dabei um das Abwaschen von Sünden.

Diese Bedeutung war anfänglich sehr wichtig. Heute ist sie eher in den Hintergrund getreten – was nicht zuletzt an der weit verbreiteten Säuglingstaufe liegt. Denn die Vorstellung, dass diese kleinen Geschöpfe schon sündhaft sind, mag theologisch richtig sein, emotional dürfte es den wenigsten einleuchten.

"Man kann die Taufe auch als Geschenk verstehen, das man den Kindern nicht vorenthalten sollte"

Konstantin Sacher

So ist eine andere Bedeutung der Taufe in den Vordergrund gerückt: Sie gilt als christliches Initiationsritual und markiert den Eintritt in die Gemeinschaft der Christen. Aus diesem Verständnis entspringt auch unsere Frage: Ist es gut, Kinder zu taufen?

Fürs Selbst-entscheiden-Lassen gibt es gute Gründe, etwa dass die Religionsfreiheit der Kinder durch die Kindertaufe eingeschränkt wird – diese beinhaltet nämlich nicht nur das Recht, seine Religion ungestört auszuüben, sondern auch das Recht, keiner Religion anzugehören. Doch dieses Argument hat zwei Seiten: Es sichert dem Kind zwar scheinbar die Wahlfreiheit zu, doch schränkt es sie auch ein. Denn: Wer nicht als Kind Christ wird, wird es wahrscheinlich auch später nicht – viele Studien belegen, dass es für eine spätere Religiosität entscheidend ist, wie man aufgewachsen ist.

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Natürlich kann man sein Kind auch religiös erziehen, ohne es zu taufen. Nur: Man kann die Taufe auch als Geschenk verstehen, das man den Kindern nicht vorenthalten sollte. Theologisch ist sie das jedenfalls, denn in der Taufe wird sinnlich erlebbar, was eines der Grundmotive des Christentums ist: dass Gottes Heilszusage an keine Bedingung geknüpft ist. Etwas weniger theologisch: In der Säuglingstaufe wird ganz deutlich, dass dieses frische Leben willkommen ist, einfach so, weil es ein geliebtes Geschöpf ist.

Klar, wenn man mit Kirche, Gott und Religion nichts zu tun haben möchte, gibt es keinen Grund, so eine Zusage für das eigene Kind zu wünschen. Wenn es aber anders ist, wenn einem der Glaube als gute Möglichkeit für das Leben erscheint, was spricht dann gegen die Kindertaufe?

Wenn das Kind später nichts mit Religion zu tun haben will, kann es aus der Kirche austreten. In diesem Fall wird es sicher nicht darunter leiden, dass die Taufe theologisch als einmalig und nicht rückgängig zu machen gilt. So ein Argument hat ja lediglich für Gläubige eine Bedeutung. Wenn das Kind sich allerdings in der Kirche und dem Glauben zu Hause fühlt, wird es gerne daran denken, schon als kleines Kind, ganz ohne Grund in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen worden zu sein.

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