Das Grünlichgraue auf dem Boden, ist das ein plattgetretener Kaugummi oder lebt das? Das ist die Mauerflechte (Lecanora muralis), Spitzname "Kaugummiflechte". Und dieses orangegelbe Gewächs auf dem Baumstamm? Das ist die Gelbflechte (Xanthoria parietina). Farbenprächtige Wesen, die wir manchmal erst im Winter wahrzunehmen belieben, wenn es sonst nichts Farbiges zu sehen gibt in der Natur. Flechten sind Mischwesen: Pilz und Alge haben sich zu einer Lebensgemeinschaft zusammengetan. Arbeitsteilung: Die Alge sorgt für Futter mit der Photosynthese, der Pilz nimmt Feuchtigkeit und Nährstoffe aus der Luft auf.
Was sie zum Leben brauchen (Wasser und Nährstoffe), ziehen sie sich nicht über Wurzeln aus dem Grund, auf dem sie leben, sondern aus der Luft. Sie zapfen also nicht die Leitungen des Baums an und zweigen Nährstoffe ab, sondern sitzen nur auf dem Baum.
Weil sie von der Luft leben, sind Flechten gute Anzeiger für Luftschadstoffe. Seit die Luft in Deutschland besser geworden ist dank Katalysator und Rauchgasentschwefelung, geht es auch den Flechten wieder besser: Selbst in Ballungszentren findet man sie wieder an vielen Bäumen.
Es ist trotzdem ein Leben am Limit: Sie siedeln sich dort an, wo sonst niemand leben will – auf Steinen und auf Baumrinde. Weil Flechten keine Wurzeln haben, können sie kein Wasser speichern – Dürrephasen müssen sie also in einer Art Trockenstarre überdauern.
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