Es geschieht viele Jahrzehnte später. Da ist ihr Vater 96 Jahre alt. Er ist nach wie vor klar bei Verstand und seine aufrechte Haltung noch immer die des ehemaligen Pastors, der seiner Gemeinde mit Disziplin und Selbstbeherrschung vorsteht.
Antonia selbst ist zu diesem Zeitpunkt 62 Jahre alt. Sie besucht ihn jede Woche in seiner Wohnung, in der er immer noch alleine lebt. Dann holt sie ihn, wie jetzt auch, zu einem Spaziergang ab, und sie gehen langsam den üblichen Feldweg entlang.
Er unterbricht seinen Schritt nicht, als er ihr plötzlich die Frage stellt, auf die sie seit über vierzig Jahren gewartet hat. "Was ist zwischen Robert und dir gewesen?" Sie weiß sofort, was er meint. "Hast du eine sexuelle Beziehung mit deinem Bruder gehabt?"
Es ist wie eine Erlösung. Wie eine Tür, die sich endlich öffnet. Sie sagt: "Ja. Robert und ich haben viele Jahre ein sexuelles Verhältnis gehabt. Bis zu seinem Tod."
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Elisabeth Pfister, "Trotzdem: Liebe. Wahre Geschichten",
Klöpfer & Meyer Verlag, 312 S., 24 €




