Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ein Hurrikan in der Karibik und gleich darauf ein Erdbeben in Mexiko. Katastrophen, so scheint es, geschehen täglich, große und persönliche, Attentate und Unfälle, schlimme Diagnosen und schreckliche Verbrechen. Es trifft den einen, und die andere nicht.
Wie kann das sein? Ob Gott damit zu tun hat? Will er oder kann er das menschliche Leiden nicht verhindern? Eine religiöse Erklärung zu finden, ist nicht schwer – es ist unmöglich, sagt unser Theologe Eduard Kopp.
Der Begriff der Theodizee, der Gerechtigkeit Gottes, stammt vom deutschen Philosophen und Aufklärer Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716). Selbst eine von Gewalt und Leid geprägte Welt ist für ihn immer noch „die beste aller Welten“. Und weil Gott die Menschen als frei erschaffen habe, hätten sie eben auch die Freiheit, Verbrechen zu begehen. Okay. Aber was ist mit Naturkatastrophen? Nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Lissabon 1755 mit Zehntausenden von Todesopfern rätselten auch die Menschen des 18. Jahrhunderts über solchen Fragen.
In chrismon finden Sie jetzt bestimmt keine Antwort – aber kluge Gedanken dazu. Von der Historikerin Miriam Gebhardt, Autorin des Buches „Die weiße Rose“, vom Theologen Fulbert Steffensky, vom Roman-Autor Jonas Lüscher.
Auch Echlas al-Azzeh hätte Anlass, mit Gott zu hadern. Die palästinensische Muslimen ist auf den Rollstuhl und rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Ihre Helferinnen findet sie unter jungen Freiwilligen aus aller Welt, die in Jerusalem oder Bethlehem arbeiten. Zu ihnen gehörte auch Birte Mensing, die heute die Evangelische Journalistenschule in Berlin besucht und Echlas al-Azzeh für uns befragt hat.
Warum Theologen und Philosophen in Erklärungsnot sind, wenn die Erde in Trümmer fällt, darüber schrieb Eduard Kopp einmal: „Es macht nichts, dass gläubige Menschen Naturkatastrophen kein bisschen besser erklären können als andere. Aber es würde etwas machen, wenn sie den Betroffenen nicht dabei helfen würden, sie zu bewältigen.“
Liebe Leserin, lieber Leser, sicher haben Sie sich solche Fragen auch schon gestellt. Wenn Sie mögen, nehmen Sie an unserer – zugegeben zugespitzten – Ab:Stimmung auf chrismon.de teil oder erzählen Sie uns Ihre Geschichte! An: chrismon, Leserpost, Postfach 50 05 50, 60394 Frankfurt am Main; oder als Mail an leserpost@chrismon.de.
Ihre
Anne Buhrfeind
Stellvertretende Chefredakteurin

