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Eine "rechte Revolte" schwappt über den Globus. Sie hat viele Ursachen. Die meisten haben nichts mit Religion oder Theologie zu tun. Aber bei einem wichtigen Punkt werden von rechts regelmäßig religiöse Traditionen und Wertvorstellungen aufgerufen. Dann nämlich, wenn es um die Familie geht. So berufen sich AfD-Politiker auf ein "biblisches Familienbild", wenn sie für eine Diskriminierung queerer Menschen werben.
An diesem Punkt ist also eine theologische Orientierung geboten. Zum Glück bieten gute Bücher dabei Hilfe an. Wenn Politiker einen unmittelbaren Anschluss an biblische Vorstellungen versuchen, ist es geraten, auf Abstand zu gehen und einen historischen Überblick zu gewinnen. Dabei lernt man schnell, dass es früher anders war, als wir heute annehmen – vor allem, dass dieses "Früher" sehr vielfältig war.
Das fängt schon mit der Basis-Kategorie "Geschlecht" an. Heute kämpft die AfD gegen die Vorstellung, dass es nonbinäre Personen geben könne. In ihrem Furor übersieht sie, dass die Vorstellung von den zwei Geschlechtern eine moderne Einsicht ist. Vorher herrschte die von Aristoteles klassisch formulierte Vorstellung, wonach es nur ein menschliches Geschlecht gebe, das bei Männern vollständig, bei Frauen unvollständig ausgeprägt sei. Menschlichkeit im Vollsinne sei gleichbedeutend mit Männlichkeit. Das änderte sich erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts, als Anatomen die weiblichen Eierstöcke und die männlichen Samenzellen entdeckten und feststellten, dass es ein eigenständiges weibliches Geschlecht gibt.
Darauf weist der Sammelband "In aller Vielfalt: Geschlechter, Sexualitäten, Beziehungsformen im Neuen Testament und seinen Kontexten" (Tübingen 2006) hin. Darin führt die Berliner Neutestamentlerin Christine Gerber aus, dass man zu biblischen Zeiten auch unter "Familie" etwas ganz anderes verstanden hat als wir.
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