Hohenzollerngruft unter dem Berliner Dom
Hohenzollerngruft unter dem Berliner Dom am 25. Februar 2026
Christian Ditsch / epd / IMAGO
Hohenzollerngruft in Berlin
Ein einmaliger Erinnerungsort
In Berlin wurde die sanierte Gruft der Hohenzollern feierlich eröffnet - mit Reden, die zu denken gaben. Und da die eigene Anschauung immer am besten ist, rät unser Kolumnist: Hinfahren und ansehen
(Berlin) 11.02.16; Dr. Johann Hinrich Claussen, Portraet, Portrait; Kulturbeauftragter des Rates der EKD, Leiter des EKD-Kulturbueros, evangelischer Theologe Foto: Andreas Schoelzel/EKD-Kultur. Nutzung durch und fuer EKD honorarfreiAndreas Schoelzel
13.03.2026
3Min

Wie der Name schon sagt, sollte ein Friedhof ein Ort ohne Streit und böse Gefühle sein. Irgendwann muss Schluss sein mit all den alten Konflikten. Zum Glück war die feierliche Eröffnung der sanierten Hohenzollern-Gruft im Berliner Dom ein friedliches Fest. Dabei hatte es vor wenigen Jahren erhebliche Konflikte um Besitzansprüche der Hohenzollern-Familie sowie um ihr Verhalten gegenüber Journalisten und Wissenschaftlern gegeben.

Ich hatte indirekt damit zu tun, weil ich Ärger mit dem übersteuerten Anwalt der Familie hatte. Doch inzwischen haben sich der Bund und das Bundesland Brandenburg mit der Familie geeinigt. Zugleich haben sich die Konflikte um belastete Bauten und Wiederaufbauten wie das Berliner Schloss oder die Garnisonkirche in Potsdam erschöpft. Es gibt gegenwärtig Wichtigeres, um das man sich sorgen muss.

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Trotzdem war es nicht selbstverständlich, sondern erfreulich, wie schön der Festgottesdienst geriet – mit viel prächtiger Kirchenmusik, einer nachdenklich-ernsthaften Predigt und einer souveränen, sensiblen Liturgie. Im Anschluss gab es Grußworte, die aufhorchen ließen. Überraschend gut war der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, der die zurückliegenden Konflikte diplomatisch ansprach. Sonst hatten die meisten Wortbeiträge einen Bogen um das Stichwort "Hohenzollern" gemacht und lieber über Allgemeinmenschliches, Ewigkeit und Endlichkeit oder die Zwiespältigkeit jedes historischen Gedenkens gesprochen.

So blieb es Georg Friedrich von Preußen überlassen, wichtige Aspekte direkt anzusprechen. Als einziger redete er nicht nur abstrakt von historischen Ambivalenzen: "Die Geschichte meiner Familie, des Hauses Hohenzollern ist – wie die Geschichte unseres Landes – von Licht und Schatten geprägt. Sie umfasst Zeiten verantwortungsvoller Staatsführung, kultureller Förderung und institutioneller Entwicklung ebenso wie Phasen politischer Verstrickung und historischer Schuld. Dieser Geschichte stellen wir uns in ihrer Gesamtheit. Sie verpflichtet uns zu einer ehrlichen und differenzierten Erinnerung." Das fand allgemeine Anerkennung.

Interessant war auch, was er über die lange und intensive Geschichte seiner Familie mit diesem besonderen Friedhof in der Krypta unter dem Dom zu erzählen wusste: "Seit den 1950er Jahren finanzierte mein Großvater Prinz Louis Ferdinand beispielsweise regelmäßig die Restaurierung von Särgen, die nach 1918 im Privatbesitz unserer Familie verblieben waren. Ab 1979 besuchte er jährlich die Baustelle der noch im Wiederaufbau befindlichen Domkirche, die ihm persönlich sehr am Herzen lag. Anlässlich des 300. Todestages des Großen Kurfürsten im Jahr 1988 erlaubte mein Großvater schließlich die Öffnung der Hohenzollerngruft für die breite Öffentlichkeit, die schließlich 1999 dauerhaft realisiert werden konnte."

Dies löste bei einigen etwas aus. Im Anschluss an den Gottesdienst und in den Tagen danach wurde ich mehrfach gefragt, ob die Hohenzollern sich an der neuen Sanierung ihres Familienfriedhofs beteiligt hätten. Ich habe herumgefragt, aber keine Antwort erhalten. Nun kenne ich die finanziellen Möglichkeiten und Grenzen der Hohenzollern nicht. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Erhaltung der Kulturbauten und -schätze im eigenen Besitz erhebliche Mittel erfordern dürfte. Dennoch wäre ein Engagement für die jetzige Sanierung angemessen und geschickt – auch bloß symbolischer Art oder durch Beiträge zum Fundraising (ein Spenden-Dinner, eine Sonderführung durch den Prinzen oder ähnliches). Aber vielleicht kommt da noch etwas. Es würde monarchiekritischen Zeitgenossen den Weg zu diesem einmaligen Erinnerungsort ebnen.

Und dieser Weg lohnt sich. Natürlich sind große Teile der Sanierungsarbeiten für die Besucher unsichtbar: Sicherung des Gebäudes, Festigung von Grund und Boden, Brandschutz, Klimatechnik und so weiter. Was man dagegen sieht, ist die stilsichere und sensible Gestaltung der Gruft, die zugleich Grablege, Andachtsraum, historischer Erinnerungsort und Touristenattraktion ist. Im Eingangsbereich wird man über die Geschichte der Gruft informiert, betritt dann die Krypta, deren rhythmische Struktur auch durch ein zart abgestimmtes Lichtkonzept hervorgehoben wird, es herrscht eine Atmosphäre, die dazu anleitet, die Sarkophage in Ruhe und Anteilnahme zu betrachten. Besonders die viel zu vielen Kindersärge gehen einem lange nach. Wie Heike Schmoll in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geschrieben hat: "Kaum jemand wird sich der Faszination der frisch sanierten Hohenzollerngruft unter dem Berliner Dom entziehen können."

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Kolumne

Johann Hinrich Claussen

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur