Maho Beach, Saint Martin: Ein Verkehrsflugzeug nähert sich dem Flughafen Princess Juliana über den Schaulustigen. Auf der kurzen Landebahn können die Strandbesucher die Flugzeuge aus nächster Nähe beobachten
So weit muss es ja nicht sein: Endanflug über den Strand von Saint-Martin in der Karibik
iStockphoto / Vale T
Sollte man noch fliegen?
Klima-Kollekte: Privatablass oder Spende mit Sinn?
Fliegen schadet dem Klima. Aber in diesem Jahr führt kein Weg am Flughafen vorbei. Und die Kinder sollen ja auch etwas sehen von der Welt. Wie man die Emissionen einer Urlaubsreise kompensieren kann
Tim Wegner
08.07.2024
3Min

Ich versuche, Flüge zu vermeiden, obwohl ich gern fliege. Die Luftfahrt hat mich immer interessiert und auch fasziniert. Als Vater weiß ich: Man macht sich nicht beliebt, wenn man in der Familie dafür plädiert, auf Flüge zu verzichten. Nach den Ferien kommen die Kinder regelmäßig am ersten Schultag nach Hause und schwärmen, wo die anderen Kinder waren – Mallorca, Bali…

Aber: Es ist bekannt, dass Flugzeuge die menschengemachte Erderwärmung verschärfen. Weltweit gehen drei Prozent der CO2-Emissionen auf den Flugverkehr zurück, Tendenz steigend. Und nicht nur das Kohlendioxid wirkt in der Atmosphäre, auch Rußpartikel und Wasserdampf verstärken den Treibhauseffekt.

In diesem Jahr mache ich eine Ausnahme. Wir besuchen meine Schwester. Sie lebt in Irland. Lange haben wir damit geliebäugelt, mit dem Auto nach Cherbourg in Frankreich zu fahren und von dort aus die Autofähre nach Rosslare zu nehmen. Aber erstens dauert das mehrere Tage. Und zweitens geht das auch nicht klimaneutral, wir haben noch kein Elektroauto und die Fähre braucht reichlich Schiffsdiesel.

Lesen Sie hier, wie sich der EU-Emissionshandel auswirken wird - auch aufs Fliegen

Also fliegen wir. Wenigstens die CO2-Emissionen aber möchte ich kompensieren – wenn ich sie schon nicht vermeiden kann. Ich habe mich entschieden, dafür die Klima-Kollekte zu nutzen, einen kirchlichen Kompensationsfonds.

Wie geht das? Einfach die Seite der Klima-Kollekte besuchen und den Menüpunkt "Kompensieren" anklicken. Auf der folgenden Seite erscheint ein Flugzeugsymbol. Danach klickt man sich weiter zur detaillierten Erfassung. Hier kann man Start- und Zielflughafen angeben. In meinem Fall sind das Frankfurt und Dublin – für fünf Passagiere. Das muss man noch bestätigen. Und dann sehe ich: 1085 Kilometer legen wir zurück, für eine Strecke.

Noch ein Klick, dann steht die Rechnung: Jedes Familienmitglied wird dafür verantwortlich sein, dass 2,21 Tonnen an Kohlendioxid in der Atmosphäre landen. Zum Vergleich: In Deutschland stößt jeder Mensch rein rechnerisch fast acht Tonnen pro Jahr aus - dadurch, dass wir alle fossile Energie nutzen, einkaufen, essen… Ein Viertel davon verbraten wir durch zwei Flüge. Heftig!

Und noch heftiger: Pro Kopf und Jahr dürfen es bis 2050 nur rund 2,7 Tonnen an CO2 sein, wenn wir das Ziel erreichen wollen, die Erderwärmung auf maximal 2 Grad zu begrenzen.

Ich klicke weiter auf Kompensation, ganz oben auf der Seite. Dann präsentiert mir das System drei Werte. Ich kann den CO2-Preis der Klima-Kollekte ansetzen, dann muss ich gut 55 Euro zahlen. Oder ich kann den Wert kompensieren, der alle Umweltkosten einpreist (die Methode dazu geht auf das Umweltbundesamt zurück). Dann müsste ich über 500 Euro bezahlen. Interessant, denn so wird klar, wie hoch die wahren ökologischen Kosten fürs Fliegen wirklich sind!

Ich entscheide mich für die dritte Rechnung und orientiere mich am CO2-Preis des nationalen Emissionshandelssystems von 45 Euro pro Tonne. Das macht dann rund 100 Euro für unsere Flüge. Die begleiche ich, nachdem ich meine persönlichen Daten eingebee, per PayPal. Sogar eine Spendenquittung gibt es, so zahle ich nächstes Jahr ein paar Cent weniger an Steuern.

Das Geld verwendet die Klima-Kollekte dafür, um in Ländern des globalen Südens Klimaschutzmaßnahmen durchzuführen. Dabei verspricht die kirchliche Organisation, dass die Gelder von Menschen wie mir nur in Maßnahmen fließen, die nicht ohnehin, sondern nur mit Mitteln aus Spenden angegangen werden. Darauf muss ich mich verlassen, aber Internetauftritt und Geschäftsbericht der Klima-Kollekte vermitteln mir den Eindruck, dass ich das auch kann. Die Organisation verspricht, sich an den "Gold Standard for the Global Goals" zu halten.

Rein rechnerisch kann es also sein, dass unser Anteil am Flug nur das an Kohlendioxid freisetzt, das später woanders in der Welt eingespart wird. Was die anderen Passagiere machen, weiß ich nicht. Vielleicht frage ich sie mal, bevor wir einsteigen. Ich befürchte, ich stehe dann recht allein auf weiter Flur - beziehungsweise im Terminal.

Und dann? Dann genieße ich den Flug. Denn wie gesagt: Ich liebe es zu fliegen und die Kinder sollen die Welt kennenlernen. Es ist ein Jammer, dass das der Umwelt so schadet, die sie erhalten wollen.

Die "Klimazone" macht nun Urlaub, die nächste Folge erscheint am 5. August.

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Tja, sie müßten nicht fliegen, sie könnten auch ohne Angst so lange Urlaub machen wie sie es sich leisten/verdient haben, wenn wir ein grundsätzliches/globales Gemeinschaftseigentum OHNE wettbewerbsbedingte Symptomatik auf der UNKORRUMPIERBAREN Basis eines Menschenrechts zu KOSTENLOSER Nahrung, MIETFFREIES (Sozial)Wohnen und ebenso KASSENLOSER Gesundheit hätten, wo alle Arbeit OHNE die "Ökonomie" in unternehmerischen Abwägungen fast unendlich und wirklich-wahrhaftig freiheitlich OHNE Steuern zahlen, usw. teilbar wäre, aber leider ...!?