Das war ein Fehler. Respekt, wenn jemand das zugibt!
Wer einen Fehler gemacht hat, sollte das zugeben, findet Ursula Ott. Auch wenn es schwer fällt.
Tim Wegner
26.01.2022

Die Winterferien habe ich genutzt, um Bücher zu lesen, die lange ­neben dem Bett lagen. Um Filme zu gucken, die sich durch die ­langen Kinoschließungen angestaut hatten. Am meisten haben mich ein Buch und ein Film beeindruckt, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Auf den zweiten: In beiden geben Medienmenschen einen Fehler zu.

Tim Wegner

Ursula Ott

Ursula Ott ist Chefredakteurin von chrismon und der digitalen Kommunikation im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik gGmbH. Sie studierte Diplom-Journalistik in München und Paris und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Sie arbeitete als Gerichtsreporterin bei der "Frankfurter Rundschau", als Redakteurin bei "Emma", als Autorin und Kolumnistin bei der "Woche", bei der "Brigitte" und bei "Sonntag aktuell" sowie als freie Autorin für Radio und Fernsehen. 2020 und 2021 wurde sie unter die 10 besten Chefredakteur*innen des Jahres gewählt. 2019 schrieb sie den Bestseller "Das Haus meiner Eltern hat viele Räume. Vom Loslassen, Ausräumen und Bewahren".

Das Buch heißt "Afrika! Rückblicke in die Zukunft eines Kontinents". Der Korres­pondent Bartholomäus Grill blickt auf ­seine 40 Jahre Berichterstattung aus ­Afrika zurück. Stolz, klar. Aber eben auch de­mütig. Als in Südafrika die Apartheid zu Ende ging, im April 1994, ereignete sich nebenan in Ruanda ein beispielloser Geno­zid. "Nicht nur die Vereinten Nationen haben versagt, sondern auch wir, die Journalisten", schreibt Grill. "Wir sind der Big Story in Südafrika nachgejagt und haben Ruanda kaum begleitet." Sein "Zeit"-Artikel von 1994, schreibt Grill im Rückblick, "­enthält die unverzeihlichsten Irrtümer, die mir in meinem Berufsleben unterlaufen sind". Chapeau, Herr Kollege.

Journalismus muss sich mehr denn je ­erklären, dazu gehört auch, Irrtümer zu ­korrigieren. "Transparente Fehlerkultur" bescheinigt der Fachdienst "epd medien" auch der Redaktion "Monitor" beim WDR. Im sehr sehenswerten Kinofilm "Mit ­eigenen Augen" begleitet der Filmemacher ­Miguel Müller-Frank mehrere Wochen lang die "Monitor"-Redaktion mit der Kamera, ausgerechnet während der Dreharbeiten muss ein vermeintlicher Rechercheerfolg öffentlich wieder zurückgenommen werden, die "Monitor"-Redaktion hatte sich auf ein Gutachten gestützt, das durch ein Zweitgutachten widerlegt wurde. Ein übler Moment für die WDR-Rechercheure, ein denkwürdiger Moment im Kinofilm.

Fehler zugeben: kann man üben

Welche Größe, wenn man einen Fehler zugeben kann. Übrigens kann man das üben. Beim ersten Mal denkt man – gleich falle ich tot um. Im nächsten Moment merkt man, die Welt dreht sich weiter. "Üben" ist ab Aschermittwoch das Motto der Fastenaktion "7 Wochen Ohne". Fehler zugeben: kann man üben. Frei reden: kann man üben. Und erst recht: schlagfertig sein. Das ist den wenigsten von uns in die Wiege gelegt.

Lesen Sie, wie die erfahrene Politikerin Christa Nickels geübt hat, "die Kampfhenne auf dem Hof" zu sein. Und wenn Sie ihr beim Kampf im Gockelparlament zugucken wollen – letzter Kulturtipp für heute: Den Kinofilm "Die Unbeugsamen" mit Nickels gibts jetzt als DVD.