Kinderkrankentage
Krankes Kind? Pech gehabt
Nach dem Desaster der Landtagswahlen führt die Union einen Kurs fort, bei dem sie Familien mit Kindern das Leben schwer macht. Unser Autor hat ein paar Vorschläge, wie man das noch verschärfen könnte. Eine Glosse
Nahaufnahme einer laufenden Babynase
Die Nase läuft. Und die Eltern zählen die Tage, an denen sie ihr krankes Kind betreuen dürfen
fStop / Stella / Getty Images
Tim Wegener
24.09.2026
3Min

Nach den verheerenden Ergebnissen bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin setzt die CDU ihre neue Beliebtheitsoffensive fort, um das Vertrauen in der Wählerschaft wiederherzustellen. Der jüngste Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann: die Kinderkrankentage wieder reduzieren.

Für alle Kinderlosen: Kinderkrankentage können Eltern beantragen, wenn sie daheim ein krankes Kind haben, dass sie betreuen müssen, weil es wegen der Krankheit zum Beispiel nicht in die Kita kann. Weil es hustet, erbricht oder Fieber hat. Bislang waren das 15 Tage pro Elternteil pro Kind (30 bei Alleinerziehenden). Vor der Pandemie lagen sie bei 10. Auf dieses Niveau sollen sie jetzt wieder zurückfallen.

Wer Kinder hat, weiß, wie oft und schnell diese krank werden. Meine eigenen Kinder hatten in den vergangenen zwei Wochen: Magen-Darm, Bindehautentzündung und eine Erkältung, in dieser Reihenfolge. Alle drei Erkrankungen führten dazu, dass sie nicht in die Kinderbetreuung durften. 10 Tage sind da schnell aufgebraucht.

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Kinderkrankentage sind jetzt schon eine komplizierte Angelegenheit: Gesetzlich Krankenversicherte erhalten an diesen Tagen in der Regel 90 Prozent des Nettogehalts und müssen ab Tag 1 ein Attest beim oft komplett überlaufenen Kinderarzt einholen. Viele Eltern lassen sich stattdessen einfach selbst krankschreiben, weil es weniger umständlich ist und man das volle Gehalt bekommt. Aber auch das möchte die CDU nun erschweren, indem man bereits ab dem ersten Tag eine Krankmeldung braucht und persönlich beim Arzt vorstellig werden muss.

Nach den zum Teil unsinnigen Veränderungen beim Elterngeld und der Elternzeit (die in vielen Familien eine erhebliche Betreuungslücke am Ende der Elternzeit verursachen können), ist das der nächste Schlag ins Gesicht von Familien.

Nur Leistung im Job zählt

Es drängt sich die Frage auf: Hasst die Union Familien? Was wollen sie mit dieser Maßnahme bezwecken? Dass sich die Kinder mal nicht so anstellen sollen? Dass Eltern ihre kranken Kinder in den Kindergarten bringen in der Hoffnung, dass keiner was merkt? Wer ist ihre neue Zielgruppe? Großgrund- und Plantagenbesitzer?

Die Union scheint ein Menschenbild entwickelt zu haben, dass davon ausgeht: Ohne Züchtigung geht nichts! Schon gar nicht bei Familien, weil die sich sonst Zuhause nur einen faulen Lenz machen.

Um die Regierungspartei in ihrem aktuellen Kurs zu unterstützen, hier ein paar konstruktive Vorschläge des Autors zu einer leistungsorientierten Familienpolitik:

  • Parkplätze statt Spielplätze: Der Rückbau von Spielplätzen in Städten könnte den Raum für dringend benötigte Parkplätze schaffen. Auch Parks und Grünanlagen böten sich dafür an. Das brächte drei Vorteile mit sich: Es würde kurzzeitig Arbeitsplätze schaffen, draußen wäre weniger Lärm und wenn die Freizeitmöglichkeiten eingeschränkt sind, hätten die Leute auch wieder mehr Zeit, zu arbeiten.
  • Kinderarztpraxen schließen: Wo keine Diagnose, da keine Krankheit. Wo keine Krankheit, da kein Verdienstausfall.
  • Rente mit 80: Würde man das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung koppeln, wären schlagartig alle Probleme, die der demografische Wandel mit sich bringt, gelöst und Großeltern würden nicht mit der Betreuung ihrer Enkel gelangweilt.

Vielleicht sollte ich mich mit diesen Vorschlägen für einen Posten in der Parteispitze bewerben. Ich werde das Gefühl nicht los, dass es dort bald ein paar Vakanzen gibt.

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