Martha G. aus München fragt:
Meine beste Freundin hat mich gefragt, ob ich ihre Trauzeugin sein möchte. Kann ich das machen, auch wenn ich eigentlich denke, dass sie den Mann nicht heiraten sollte? Er tut ihr nicht gut. Ich finde, er respektiert ihre Interessen nicht ausreichend und schränkt sie ein, um besser sein Ding machen zu können.
Stefanie Schardien
Stefanie Schardien antwortet:
In früheren Zeiten wäre Ihre Frage womöglich leichter mit Ja zu beantworten gewesen: Das Amt der Trauzeugen bestand offiziell nur im rechtlichen Bezeugen der Eheschließung. Mittlerweile braucht es weder auf dem Standesamt noch in der Kirche eine weitere rechtliche Bezeugung. Trauzeugen leisten heute eher praktische Hilfe, emotionalen Beistand – und im besten Fall unterstützen sie das ganze Unterfangen von Herzen.
Ihre Frage wird damit leider komplizierter. Doch wenn Sie der Braut nahestehen und vermutlich ihr schon deutlich länger als der Bräutigam in enger Freundschaft verbunden sind, sollten Sie gerade wegen dieser liebevollen Vertrautheit ehrlich sein. Gewiss gehört das – sagen Sie ihr das! – zu den eher unangenehmen Momenten einer Freundschaft.
Denn wahrscheinlich ist Ihre Freundin ja schwer überzeugt, den Richtigen zu heiraten. Zweifeln Sie also weniger die Entscheidung oder den Verstand der Freundin an; erzählen Sie mehr von Ihren Beobachtungen und Sorgen.
Möglicherweise hat Ihre Freundin überraschende eigene Perspektiven dazu; vielleicht bespricht sie manches davon mit dem Zukünftigen. So oder so wird sie wohl trotzdem heiraten. Begleiten Sie sie bei dem Schritt. Und versprechen Sie, als Freundin zu ihr zu stehen – in guten wie in schlechten Zeiten.



