Stephanie Robben-Beyer, Botschafterin für den Vereins "Lebensheldin"
Jessica Schäfer für chrismon
Verein "Lebensheldin"
Sie hilft krebskranken Frauen zurück ins Leben
Mit Mut und Gemeinschaft gegen die Angst: Stephanie Robben-Beyer engagiert sich als Botschafterin für den Verein "Lebensheldin", um krebskranke Frauen zu stärken. Auch sie selbst profitiert von diesem Ehrenamt
Tim Wegner
18.07.2026
4Min

chrismon: Was machen Sie?

Stephanie Robben-Beyer: Ich versuche, die Botschaft in die Welt zu tragen, was der Verein Lebensheldin für krebskranke Frauen und ihre Angehörigen tut. Über Gespräche oder indem ich Kooperationen anbahne.

Was machen die Lebensheldinnen?

Sie füllen eine Lücke, die der medizinische Bereich nicht abdecken kann: Sie helfen, die mentale Gesundheit zu stärken, Kraft zu finden – wieder Heldin des eigenen Lebens zu werden. Das ist so wichtig, denn die medizinischen Therapien sind pure Konfrontation mit Angst, Schmerz, der eigenen Endlichkeit. Bei der Lebensheldin betonen wir nicht das Thema Krankheit, sondern Freude, Spaß, Kraft, Weiterbildung.

Wie gelingt das?

Auf vielerlei Weise. Es gibt Sisterhoodgruppen, die von ausgebildeten, ehrenamtlichen Mentorinnen geleitet werden. Sie ermöglichen den Frauen, gemeinschaftlich aus ihrer Situation herauszufinden. Es gibt Aktionstage wie "Rudern gegen Krebs", Onlinecoachings, Podcasts, bei denen Mediziner, aber auch Betroffene oder Coaches zu Gast sind, es gibt Healingreisen oder das Mutmachbuch. Die Angebote sind niedrigschwellig und so facettenreich, dass jede Frau das Richtige für sich findet.

Lesetipp: Die Fotografin Pia Pritzel hat Brustkrebs. Sie erzählt in ihrer Fotoserie "Cancer me softly" von der Diagnose, Behandlung Hoffnung und Heilung

Wie sind Sie dazu gekommen?

Ich bin beruflich viel auf Linkedin unterwegs und habe die Lebensheldinnen dort entdeckt. Alles wirkte so fröhlich. Schon die Farbe: Barbiepink, das ist hell, energiegeladen, witzig, Frühling und Sommer. Das hat mich fasziniert, weil das Thema Krebs bei mir in einer sehr dunklen Schublade steckte, die mit Schmerz und Tod zu tun hat.

Es war spannend zu sehen, wie dieser Verein Wege sucht, um die Trauer und Furcht zu kompensieren und die Frauen in ihre Kraft zu bringen. Ich habe damals die Gründerin direkt angeschrieben und wir haben uns getroffen, um herauszufinden, wie ich mich am besten einbringen kann.

Was uns zu den Eigenschaften bringt, die man für Ihr Einsatzgebiet mitbringen sollte.

Offenheit, man sollte kommunikativ sein, auf andere Menschen zugehen können, taktvoll, charmant, dezent. Und ansonsten gilt der einfache Satz: Wenn du andere entzünden willst, muss es in dir brennen.

Was ziehen Sie für sich aus dem Ehrenamt?

Ich finde es befreiend, dass es einmal nicht um eine Zahl, um ein Gehalt geht, sondern darum, dass ich Lust habe, etwas zu tun. Immer wenn wir etwas geben, bekommen wir viel zurück.

Was war eine schöne Begegnung?

Mit einer besonderen Kollegin bin ich stark verbunden. Sie ist selbst mehrfach erkrankt und so stark. Ich bewundere sie und empfinde in jedem Gespräch mit ihr eine große Demut. Ich darf so viele Frauen treffen, die mit ihrem Schicksal großartig umgehen.Nach jedem Vereinsmeeting bin ich auf mich zurückgeworfen, geerdet und dankbar.

Wir alle müssen aufpassen, dass wir nicht durch unser Leben rennen. Wir müssen uns immer wieder bewusst machen, was für ein Wunder es ist, dass unser Körper jeden Morgen von neuem aufwacht, dass alles gut funktioniert und zusammenspielt.

Was nervt?

Nichts. Aber manchmal "trifft es meinen Nerv", kostet es Kraft. An Tagen, an denen ich nicht ganz auf der Höhe bin, macht mir das Thema Krebs Angst. Zum Glück weiß ich: Nach ein, zwei Tagen geht das vorbei.

"Je älter ich werde, desto mehr möchte ich Sinnvolles tun"

Stephanie Robben-Beyer

Spannend, an der Stelle hätte ich mit einer Antwort gerechnet wie: "Viele Absagen nacheinander, viel Schreibkram …"

Ich spüre nie Enttäuschung. Es ist auch in meinem Beruf als Coachin normal, dass manche Menschen kein Ohr für manche Dinge haben. Die einen wollen nicht, andere können nicht. Ich habe längst verstanden, dass ich nicht jeden retten kann, und halte mich an die anderen. Gerade beim Thema Krebs kann ich es verstehen: Nicht jeder hat Kraft dafür.

Wie viel Zeit investieren Sie?

Keine Ahnung. Die Verbindung ist immer da: Wenn ich etwas Passendes sehe, werde ich sofort aktiv.

Warum machen Sie das?

Wenn nicht ich, wer dann? Wenn nicht jetzt, wann dann? Je älter wir werden, desto mehr dürfen wir zurückgeben. Und je älter ich werde, desto mehr möchte ich Sinnvolles tun. Ich möchte eine Spur hinterlassen, auch wenn ich nur ein ganz kleines Rädchen in der Organisation bin. Und Krebs betrifft leider so ziemlich jeden: uns selbst oder Nahestehende.

Was hatten Sie nicht erwartet?

Wie besonders die Fröhlichkeit in den Gruppen ist. Keine oberflächliche, bemühte Karnevalsfröhlichkeit, sondern eine bewusste, lebensbejahende Freude. Die Lebensheldinnen schaffen es, dass sie aus der Gemeinschaft heraus entsteht. Es gibt auch Momente, in denen die Angst einen ereilt, aber der Weg da heraus ergibt sich. Auch wenn es esoterisch klingt: Da ist einfach eine gute Energie.

Die Kommentarfunktion ist nur noch für registrierte Nutzer verfügbar. Um einen Leserkommentar schreiben zu können, schließen Sie bitte ein Abo ab, schreiben Sie uns eine Mail an leserpost@chrismon.de oder diskutieren Sie auf Instagram, Facebook und LinkedIn mit.