Leseraktion
Sie nahmen unsere Fragen ernst
Der Pfarrer, die Gemeindehelferin, die Leiterin der Kindergottesdienste: Sie hörten zu, sie sahen mehr in den Kindern als andere, entdeckten Talente
Manchmal reicht ein Mensch, der zuhört, der etwas zutraut, der einfach da ist. Oft sind es genau diese Begegnungen, die bleiben – und einen Weg prägen, lange nachdem sie vorbei sind
Maskot / Getty Images
13.04.2026
6Min

Er hatte immer ein offenes Ohr

Es war ein Pfarrer, der an mich geglaubt hat – lange bevor ich selbst wusste, wozu ich fähig bin: Heinz-Dieter Schmidtke, viele Jahre in der Kirchengemeinde Gransee verwurzelt. Er hat mich konfirmiert und mich durch eine Zeit begleitet, in der vieles noch unsicher war. Für uns Jugendliche war er da, mit einer Selbstverständlichkeit, die nichts forderte und alles öffnete.

Isabel Pawletta durfte trotz ihrer Jugend Gottesdienste halten

Seine Tür stand offen, sein Ohr ebenso. Er hörte wirklich zu. Er wusste, was uns bewegte, weil es ihn ehrlich interessierte. Er hatte immer die Geduld, uns ernst zu nehmen. Wir haben miteinander gelacht, über den Glauben gesprochen, in der Bibel gelesen, gekocht, gespielt, gebetet, gesungen, an Aktionen teilgenommen und, und, und.

Er nahm unsere Fragen ernst, unsere Zweifel, unsere Begeisterung. Er organisierte Fahrten, Krippenspiele, Gemeinschaft – und zeigte uns, dass Kirche mehr sein kann als ein Raum: ein Ort, an dem man gesehen wird. Ein Ort, an dem man dazugehören darf. Durch ihn habe ich erfahren, was christliche Gemeinschaft bedeutet: füreinander da sein, miteinander glauben, miteinander wachsen. Man konnte immer zu ihm kommen, einfach an seiner Tür klingeln. Egal wann, er war immer ansprechbar. Er wusste, was in unserem Leben gerade wichtig war, weil er echtes Interesse hatte.

Als ich älter wurde, blieb er mir zugewandt. Er bestärkte mich im Studium und traute mir etwas zu. In der Gemeinde gab er mir Raum. Ich durfte eigene Gottesdienste feiern – und er griff nicht ein. Er korrigierte nicht. Er sagte nur: Das ist gut so. Dieses Vertrauen hat sich tief in mir verankert.

Er fragte mich, ob ich im Gemeindekirchenrat mitarbeiten möchte. Damit legte er, ohne es vielleicht zu wissen, den Grundstein für mein heutiges ehrenamtliches Engagement. Er hat mir etwas zugetraut, als ich noch jung war – und dieses Zutrauen hat mich stark gemacht. Ohne ihn wäre ich nicht so aktiv geworden. Ohne ihn hätte ich mir vieles nicht zugetraut. Obwohl ich noch jung war – und genau das hat mich wachsen lassen. Seine Predigten und Gebete kamen aus dem Herzen. Frei gesprochen, ehrlich, nah. Ich fühlte mich stets angesprochen. Gemeint. Berührt.

Heute lebt er nicht mehr. Und doch ist er da. In meinen Erinnerungen. In meinem Glauben. In meiner Art, Menschen zu begegnen. Ich bin Religionslehrerin geworden und versuche, so zu sein, wie er es war: offen, verständnisvoll, vergebend – mit echtem Interesse an den Kindern und Jugendlichen. Dass ich diesen Weg gehe, hat mit ihm zu tun. Er hat an mich geglaubt. Und dieses Vertrauen wirkt weiter.

Isabel Pawletta

Du kannst das!

Meine Gemeindehelferin, sie gab mir mit zwölf Jahren eine Kindergruppe an die Hand und sagte: Du kannst das, erzähle eine biblische Geschichte, spiele und singe mit ihnen. Ich habe es mit Freude gemacht. Es hat meinen Lebensweg bestimmt. Ich bin heute noch mit 95 Jahren als Pfarrerin im Ruhestand regelmäßig zu Gottesdiensten bereit und leite einen großen Seniorenkreis der Kirchgemeinde.

Gudrun Wizisla, Falkensee

Gudrun Wizisla hat geprägt, dass sie mit zwölf Jahren eine Kindergruppe leiten durfte

Vom Kindergottesdienst auf die Theaterbühne

In meiner Heimatgemeinde Meinerzhagen hatte ich eine ganz besonders liebevolle und aufmerksame Kindergottesdienstleiterin und Lehrerin. Sie entdeckte mein erzählerisches und schauspielerisches Talent und setzte mich schon als kleines Kind in Krippenspielen und bei Gemeindefesten in Hauptrollen ein, von einer "Seherin" über die Rolle der Maria auf der Flucht vor Herodes in der Wüste bis zu einer Großmutter in der Komödie "Die Wasserkur".

Martina Rehbein hat ihre lebenslange Liebe zur Bühne in Krippenspielen entdeckt

Später wurden es dann Hauptrollen in Abend füllenden Komödien von Curt Goetz bis "Arsen und Spitzenhäubchen" als ich der Theatergruppe des Evangelischen Gymnasiums angehörte. Ich habe es immer geliebt, mich zu verkleiden und mich in eine andere Person zu verwandeln. Das ist heute, mehr als 50 Jahre später, noch genauso wie damals, und ich spiele immer noch Theater. Zwischenzeitlich habe ich meine Begeisterung auch an die Kinder in meinem jetzigen Wohnort im Kindergottesdienst und bei Kirchenmusicals weitergeben können, und meine Enkelkinder finden Theater ebenfalls herrlich, sei es Kasperletheater oder Schauspiel.

Dass mir mein Talent auch im "echten Leben" immer einen gewissen Vorteil verschaffen konnte, ist nicht von der Hand zu weisen, obwohl ich nicht, wie ich es mir gewünscht hätte, Schauspielerin, Lehrerin oder Pfarrerin werden durfte. Ich habe es dennoch geschafft, als Tanzleiterin Menschen etwas beibringen zu können, was Freude macht und zudem gesund ist, wobei ich mich als Nikolaus, an Karneval und bei anderen Anlässen auch immer wieder mal verkleiden kann.

Meine damalige "Regisseurin" hat immer an mich geglaubt und mir die Leitung des Kindergottesdienstes schon kurz nach meiner Konfirmation anvertraut. Zusammen mit dem damals ganz jungen Pfarrer unserer Gemeinde legte sie damit auch den Grundstein für meine selbstgewählte missionarische Aufgabe, Menschen von Gott und Jesus zu erzählen in vielen verschiedenen Lebenssituationen, bei Sterbenden, bei Kranken, bei Kindern und Jugendlichen, in Gottesdiensten und in unserem evangelischen Gemeindebrief, an dem ich schon seit mehr als 25 Jahren im Redaktionsteam ehrenamtlich mitarbeite.

Es ist schön, zu sehen wie gute Gedanken zu Worten, und Worte zu guten Taten werden. Ich bin Dorothea (ihr Name bedeutet übersetzt "Geschenk Gottes"!) unendlich dankbar dafür.

Martina Rehbein aus Hattingen

Dieser eine Mensch half mir, in diesem Leben anzukommen

Ich bin Jahrgang 1948, wuchs in einer kriegswichtigen Marinestadt an der Ostsee auf mit vielen "Fremdarbeiter"-Lagern, die nach dem Krieg geräumt wurden. Dort kamen dann die vielen Flüchtlinge aus dem Osten unter, und alle, die kein Obdach hatten. In so einem Lager lebte ich 15 Jahre.

Meine erste Erfahrung als kleines Kind, dass ich mehr als ein Lagerkind bin, dass ich einen Namen hatte, dass ich gesehen wurde, machte ich in der Kirchenbaracke bei einer kirchlichen Angestellten, im Kindergottesdienst, im Kinderkreis. In der Volksschule setzte sich eine Lehrerin dafür ein, dass ich mich weiterbilden durfte, überredete die Mutter. Nach der Mittleren Reife setzte sich ein Pastor für mich ein. Ich wollte eine kirchliche Ausbildung machen, die selbst finanziert werden musste und an die Auflagen eines bestimmten Alters und einer Berufsausbildung gebunden war. Ich sollte aber Geld verdienen, den Eltern helfen.

Missbrauch durch den Pastor, wieder zurück ins Elternhaus, Einsatz für mich von einer weiteren kirchlichen Angestellten: Ich durfte in das kirchliche Seminar, sie holte den Stoff des ersten Semesters mit mir nach, so dass ich dann dort noch einsteigen konnte, der Propst der Geburtsstadt unterstützte mich. So kam ich zu dem von mir gewünschten Beruf.

"Man braucht nur einen Menschen; den aber braucht man sehr"

Viele, viele Jahre später war es mein Lebensmensch in einer existentiellen Lebenskrise meinerseits, der mich ermutigte, mich auf den Weg zu meiner Berufung zu machen: Psychologin zu werden. Ich machte das Begabtenabitur, studierte Psychologie, blieb in der Grundlagenforschung.

Eine erneute lebensbedrohliche Erkrankung und ich fand wieder seine volle, vor allem auch materielle Unterstützung, in den klinischen Bereich zu wechseln, Psychoonkologin und Traumatherapeutin zu werden. Obwohl ihm klar war, dass ich in meinem Alter meinen Beruf nie als Gelderwerb ausüben würde können. Doch ich bin seitdem halt ehrenamtlich unterwegs.

Ja, einige Menschen in meinem Leben, vor allem aber dieser eine, halfen mir, in diesem Leben anzukommen, gesehen zu werden, einen Namen zu haben. Dafür bin ich unendlich dankbar. Ein beruflicher Werdegang verändert uns ja als Menschen insgesamt.

Und ich schließe mit Worten von Mascha Kaléko, die sie zwar in einem anderen Kontext schreibt, die für mich jedoch auch hier ihre Bedeutung haben:

"Man braucht nur einen Menschen; den aber braucht man sehr."

Elke Gueinzius

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