Krieg im Nahen und Mittleren Osten
Der Irankrieg aus jüdischer Sicht
Israels Angriff auf den Iran ist Selbstverteidigung, schreibt Daniel Neumann. Denn die jüdische Geschichte lehrt, wenn andere ankündigen, dich zu vernichten, nimm sie beim Wort. Ein Kommentar
Antiisraelisches Wandgemälde unterstützt den Angriff der IRGC auf Israel aus. Der Text lautet auf Persisch: "Der nächste Schlag wird härter sein", und auf Hebräisch: "Euer nächster Fehler wird das Ende eures Scheinstaates sein"
Dieses Wandgemälde in Teheran droht in Persisch und Hebräisch: "Der nächste Schlag wird härter sein. Euer nächster Fehler wird das Ende eures Scheinstaates sein"
Hossein Beris/Middle East Images/IMAGO
17.03.2026
8Min

Seitdem Israel und die USA militärisch gegen das iranische Mullah-Regime zu Feld ziehen, wiederholt sich ein altbekanntes Muster in der deutsch-kirchlichen Debatte über Nahost. Israel handelt militärisch – und augenblicklich folgen die vertrauten Reaktionen seitens der Kirche: Warnung vor der Gewaltspirale, Aufruf zur Deeskalation, Empfehlung zur Besonnenheit. Die Worte kommen zuverlässig, beinahe reflexhaft. Sie klingen nach Friedensethik, nach moralischer Verantwortung und kirchlicher Besinnung.

Doch allzu oft verraten sie vor allem eine merkwürdige Distanz zu nahöstlicher Wirklichkeit und eine Weigerung, der Realität eines Konflikts ins Auge zu schauen, in dem Israel sich seit Jahrzehnten gegen ein Regime verteidigen muss, das seine Vernichtung nicht nur propagiert, sondern mit allen verfügbaren Mitteln darauf hinarbeitet.

Sicher: Der Ruf nach Deeskalation und Frieden gehört zum kirchlichen Standardrepertoire. Aber in diesem Fall klingt er nicht nur hohl. Er grenzt an moralische Realitätsverweigerung. Denn wer mit Blick auf die Islamische Republik Iran vor allem die Eskalation beklagt, ohne die jahrzehntelange Eskalation dieses Regimes zu benennen, verwechselt friedensethische Absichten mit ritualisierter Rhetorik. Und wer verdrängt, dass militärische Gewalt nicht schon deshalb zu verurteilen ist, weil sie Gewalt ist, hat nicht verstanden, dass Freiheit und Sicherheit in dieser Welt manchmal nicht nur beschworen, sondern verteidigt werden müssen. Notfalls mit Gewalt.

Mag sein, dass wir Juden ein besonderes Gespür für die Abgründe der Geschichte haben. Jedenfalls wissen wir, dass es nicht Aufrufe zur Deeskalation, nicht Mahnungen zum Dialog und gewiss keine Friedensgebete waren, die die Tore der nationalsozialistischen Vernichtungslager aufgesprengt haben. Es waren Soldaten, Armeen und militärische Gewalt, die der "Endlösung" und Nazi-Deutschland ein Ende setzten.

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