Anfang März, ein Abendbummel durch die frühlingshaft warme Fußgängerzone in Düsseldorf. Im hell erleuchteten Lego-Laden geht der Blick auf ein großes buntes Plakat: "Von ihr gebaut". Drei Mädchen von drei Kontinenten, wie schön: afrikanische, indische, vielleicht deutsche Mädchen, die bauen. Ein Fortschritt. Dann die Enttäuschung. Sie bauen – Katzen aus Lego. Eichhörnchen. Hamster. Hamster? Gehts noch? Warum bauen die nicht Weltraumteleskope, Häuser, Solarmodule?
Warum eigentlich geht so vieles gerade rückwärts statt vorwärts in Sachen Frauen? Wollen wir wirklich direkt wieder zurück in die 80er Jahre? Das zumindest deutet sich in der Nostalgie der "Tradwives" an. Die ARD startete gerade eine Umfrage zu dem Retrotrend. Ergebnis: Vor allem ältere Menschen sowie Anhänger der CDU/CSU und der AfD wünschen sich die 80er Jahre wieder zurück. Die ARD-Redaktion "Kontraste" illustriert ihre Umfragezahlen mit einem Social-Media-Video, in dem es heißt: "Damals war die Mutter zu Hause und war stolz. Bei euch ist sie Vollzeitsklavin und schämt sich, wenn sie zu Hause bleibt." Frauen zurück an den Herd. Mädchen zurück zum Goldhamster?
Ursula Ott
Ganz so schlimm ist es nicht. Zumindest die Wähler der SPD, der Grünen und der Linken finden das laut Umfrage nicht so toll mit den 80er Jahren. Und die Menschen in meinem Umfeld, die Männer in unserer Redaktion – sie fühlen sich wohl im Jahr 2026. Sie sind tolle Väter, empathische Partner, freuen sich über ihre berufstätigen und selbstbewussten Frauen. Vieles ist ja auch wirklich besser geworden seit den 80ern. Im Job sind Frauen weitgehend geschützt vor Diskriminierung. Es gibt viel mehr Geld für Frauenhäuser – eine der letzten Aktionen von Rot-Grün war ein "Gewalthilfegesetz", ein echter Fortschritt. Und auch wenn der unsägliche Paragraf 218 noch immer besteht – in den meisten Gegenden von Deutschland finden ungewollt schwangere Frauen heute Hilfe. Vieles ist ganz gut geregelt für die Frauen in Deutschland.
Aber es gibt ihn, den Backlash. Erstens, weil dieser Fortschritt für manche offenbar zu viel ist. Und sie sich wieder eine Welt mit klaren Rollen wünschen. In der Männer wieder echte Kerle sein sollen und Frauen sich auf die Mutterschaft besinnen wie in den Videos des rechtsextremen AfD-Politikers Maximilian Krah. In der Frauen wieder lecker Apfelkuchen backen statt Börsenkurse studieren. In der Models sich wieder dünne machen wie in vielen aktuellen Modeshootings.
Zweitens, weil neue Technologien Frauen noch mehr ausbeuten als früher. Immer schon gab es Klischees und Vorurteile – jetzt werden sie verschärft durch die Künstliche Intelligenz. Bei Bewerbungsverfahren wurde nachgewiesen, dass KI nach stumpfen Stereotypen urteilt, so monierte gerade Ferda Ataman, die Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung. Und fordert neue gesetzliche Regelungen dazu.
Immer schon gab es Gewalt an Frauen – aber erst seit der Erfindung der K.-o.-Tropfen ist eine so monströse Vergewaltigungsserie wie der Fall Pelicot in Frankreich denkbar. Auch dazu ist ein neues Gesetz in der Mache, denn bisher gelten K.-o.-Tropfen nicht als "gefährliches Werkzeug", weil sie kein "fester Gegenstand" sind.
Immer schon gab es Prostitution und Menschenhandel. Aber erst durch das Darknet und den globalen Handel können Frauen in großem Stil verkauft und versklavt werden.
Drum soll niemand glauben, dass jetzt irgendwann auch mal gut ist mit dem Feminismus. Ist es nicht! Es braucht neue Gesetze. Und es braucht den lauten Protest wie dieses Wochenende am 8. März, dem Internationalen Frauentag. Dieses Jahr sind übrigens die Männer aufgerufen, auf die Straße zu gehen. Gute Idee! Denn angesichts des primatenhaften Auftretens von Trump und Co müsste doch eigentlich jeder nette Mann in unserer Umgebung sagen: Hilfe, so sind wir nicht! Und gerne am Sonntag auf die Straße gehen.
#männergegengewalt: 100.000 Männer gegen Gewalt
Männer sollen am 8. März zeigen, dass die Gewalt, die ihre Geschlechtsgenossen ausüben, falsch ist, und mit auf die Straße gehen, findet die Initiative #männergegengewalt.
Initiiert wurde die Aktion von drei Frauen mit unterschiedlichem Hintergrund. Die Filmemacherin Annelie Runge, Jahrgang 1943, setzt sich seit Jahren gegen sexuelle Belästigung ein. Franziska Saxler, Jahrgang 1993, ist Psychologin und untersucht in ihrer Doktorarbeit Mechanismen der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz. Jessica Mathieu ist Rechtsanwältin mit Arbeits- und Sozialrecht und Diskriminierung als Schwerpunkt. In diesem Rahmen berät sie Betroffene von Belästigung, psychischer Gewalt und strukturellem Machtmissbrauch.
An diesen Orten finden Demos statt, denen sich jeder anschließen kann:
Berlin, 11:30 Uhr - Oranienplatz: Rotes Rathaus
Bielefeld, 18:00 Uhr - Rathausplatz
Bonn, 15:00 Uhr - Münsterplatz
Braunschweig, 14:00 Uhr - Kohlmarkt
Göttingen, 11:30 Uhr - Albaniplatz
Hamburg, 13:00 Uhr - Landungsbrücken
Kassel, 14:00 Uhr - Platz der 11 Frauen
Kiel, 12:00 Uhr - Platz der Kinderrechte
Koblenz, 15:00 Uhr - Deutsches Eck, Innenstadt
Köln, 14:30 Uhr - Heumarkt
Leipzig, 14:30 Uhr - Augustusplatz
Nürnberg, 17:00 Uhr - Plärrer
Schwenningen (Schwarzwald-Baar), 14:00 Uhr - Hockenplatz
Stuttgart, 14:00 Uhr - Schlossplatz


