Die Geschichte der amerikanischen Rechten wird oft als Geschichte einflussreicher Männer wie Barry Goldwater und Ronald Reagan erzählt. Doch deren Aufstieg - und damit derjenige der Bewegung selbst - wäre nicht möglich gewesen ohne die Unterstützung rechter Frauen.
So war es beispielsweise die reaktionäre Aktivistin Phyllis Schlafly, die mit ihrem 1964 publizierten Buch "A Choice Not an Echo" Barry Goldwater bekannt machte - den ersten republikanischen Präsidentschaftskandidaten, hinter dem sich die amerikanische Rechte geschlossen versammelte. Goldwater verlor zwar 1964 die Wahl - aber Schlafly wurde zu einer der wichtigsten Protagonistinnen der amerikanischen Rechten.
Sie verstand es, vor allem Frauen zu mobilisieren und reaktionäre Inhalte mit einer konservativ-weiblichen Ästhetik zu verknüpfen. Schlafly war dann auch die treibende Kraft hinter einer Bewegung, die in den 1970er und frühen 1980er Jahren das "Equal Rights Amendment" (ERA) stoppte, das die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in der US-Verfassung festgeschrieben hätte.
Ein kulturelles U-Boot
Zuvor hatten Demokraten und Republikaner den Verfassungszusatz unterstützt. Doch dann rekrutierte Schlafly eine Armee von Hausfrauen, denen es gelang, die Ratifizierung zu verhindern: Sie verkündeten, der Gleichstellungsartikel sei ein Auswuchs des Feminismus, der Frauen ihrer natürlichen Weiblichkeit und ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter beraube.
Schlafly starb 2016 im Alter von 92 Jahren (nachdem sie zuvor noch für Donald Trump Wahlkampf gemacht hatte). Auf die Unterstützung durch Frauen wie sie ist die US-Rechte nach wie vor angewiesen. Doch wie verkauft man jungen Frauen heute eine Bewegung, die ihre Rolle im Heim und am Herd sieht und ihnen die körperliche Selbstbestimmung nehmen will?
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