Menschen feiern den Beginn des Ramadan in der Frankfurter "Freßgass"
Menschen feiern den Beginn des Ramadan in der Frankfurter "Freßgass"
Michael Probst/AP Photo/Picture Alliance
Ramadanbeleuchtung
Religionsfreiheit gilt auch für Muslime
Viele empören sich über eine "Happy Ramadan"-Beleuchtung in der Frankfurter Fußgängerzone. Wie heuchlerisch!
08.03.2024
3Min

Ach, ist das wunderbar! Endlich gibt es wieder einen Grund, seinen Ausländerhass gemischt mit antimuslimischer Stimmungsmache auszupacken. Dabei kann man auch noch so zu tun, als ginge es einem selbst um Toleranz. So zumindest scheinen die offensichtlichen und versteckten Rechtsradikalen und pseudobürgerlichen Hetzer zu denken, die über Frankfurt am Main herfallen, weil es dort dieses Jahr zum ersten Mal eine Ramadan-Beleuchtung über der Freßgass gibt.

Diese Beleuchtung steht für Toleranz und zeigt, dass in Frankfurt ein interreligiöses Miteinander möglich ist: Die Freßgass ist dafür bekannt, dass es dort besonders gute Schweinswürste, Schnitzel und Braten für die Mittagspause und besonders guten Wein für den Feierabend gibt. Muslimisches Fasten direkt neben deutscher Wurst und Wein vom Rhein – besser kann Toleranz doch gar nicht illustriert werden. Frankfurt am Main war schon immer ein Vorreiter bei der Integration.

Tim Wegner

Konstantin Sacher

Konstantin Sacher ist Redakteur bei chrismon und verantwortet die Bereiche Theologie, Philosophie und Literatur. Zusammen mit Michael Güthlein schreibt er die Kolumne "Väterzeit". Im Podcast "Über das Ende" spricht er alle zwei Wochen mit interessanten Menschen über den Tod. Zuvor hat er als systematischer Theologe an verschiedenen Universitäten gelehrt und geforscht. Er interessiert sich besonders für Theologie und Philosophie des Todes, Literatur und wie Religion darin vorkommt. 2018 veröffentlichte er seinen Debütroman "Und erlöse mich" bei Hoffmann & Campe. 2021 wurde er zum Doktor der Theologie promoviert. 2023 erschienen seine Bücher "Zwischen Todesangst und Lebensmut" und "Dorothee Sölle auf der Spur". Außerdem hat er ein Buch zur Zukunft der Kirche und eines zur modernen Theologie des Todes herausgegeben.

Der Hinweis auf die Ramadan-Beleuchtung wurde in den sozialen Medien oft zusammen mit dem Hinweis auf einen Aufreger aus der Adventszeit 2023 gepostet. Damals empörten sich viele, weil eine Hamburger Kita keinen Weihnachtsbaum aufstellen wollte. Jetzt schreiben viele: Seht, das ist die Islamisierung Deutschlands – Weihnachtsbäume werden abgeschafft und Ramadan-Beleuchtung angeschafft.

Beide Ereignisse weisen tatsächlich auf ein Problem hin. Es ging den Verantwortlichen in der Hamburger Kita damals darum, "kein Kind und seinen Glauben ausschließen" – wie sie sagten. Das mag gut gemeint gewesen sein, zeigte aber vor allem einen Mangel an Kulturkompetenz – wie chrismon-Kolumnist Johann Hinrich Claussen damals richtig schrieb. Religiöse Feste oder Bräuche wie Weihnachten oder Ramadan sind kulturelle Phänomene – von Menschen für Menschen gemacht. Sie zu kennen und mit ihnen umzugehen ist eine wichtige Fähigkeit in einer pluralen Gesellschaft. Deswegen lieber mehr und nicht weniger Christbäume und Ramadan-Beleuchtungen in Deutschland.

Der weitaus größte Teil aller Deutschen gehört einer Religion an. Laut Statista leben derzeit 44,8 Millionen Christen in Deutschland. Dazu zwischen fünf und sechs Millionen Muslime und viele Zehntausend Juden, Hindus, Buddhisten und andere religiöse Gruppierungen. Sie alle haben ihre Feste und Traditionen, die zu kennen und zu würdigen den eigenen Blick auf die Welt bereichert und uns viele menschliche Handlungen erst verstehen lässt. Dieses Wissen macht uns kulturkompetent.

Zu wissen, was diese Feste für die einzelnen Gruppen bedeuten, und ihnen zu ermöglichen, ihre Traditionen im Alltag zu leben, zeigt Interesse und den Willen, die anderen so zu nehmen, wie sie sind. Man muss die Tradition ja nicht übernehmen, aber man kann doch mitfeiern, wie man auch einen Geburtstag mitfeiert, ohne selbst Geburtstag zu haben.

Diese Toleranz muss natürlich in beide Richtungen gehen. Nicht wenige woke Kulturkämpfer*innen wollen Christbäume und Krippen aus Kitas verbannen und den Martinsumzug in Laternenfest umbenennen, weil ihnen diese Traditionen zu konservativ-christlich erscheinen. Gegen die Ramadan-Beleuchtung würden die gleichen Aktivisten sich aber nicht wenden. Das ist heuchlerisch. Wo Religion drin ist, darf auch Religion draufstehen - und zwar bei allen religiösen Richtungen.

Genauso heuchlerisch ist es, wenn der rechte Rand unserer Gesellschaft für den Weihnachtsbaum in der Kita kämpft, aber die Ramadan-Beleuchtung ablehnt. Man kann ja mit guten Gründen gegen Religion sein, dann aber bitte konsequent gegen alle. Oftmals wird dann auf autokratisch regierte Länder wie die Türkei oder Iran verwiesen, wo Christen ihre Traditionen nicht so einfach ausleben können wie Muslime hier. Dass Autokraten wie Erdogan oder die mörderischen Mullahs in Iran christlichen Bräuchen gegenüber nicht so offen sind, ist schlimm. Aber wir leben hier zum Glück auch nicht in einer Autokratie oder Diktatur! Und viele Muslime, die hier in Deutschland leben, sind ja gerade vor solchen Regierungen geflohen.

Kulturkämpfer von links und rechts arbeiten an der Spaltung dieser Gesellschaft. Die wird ihnen aber nicht gelingen – das sieht man in Frankfurt, wo man in Zukunft unter dem "Happy Ramadan"-Schild genüsslich Wein trinken und Schweinefleisch essen kann.

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Zur Ramadan-Beleuchtung: Ach, ist das furchterregend! Endlich gibt es wieder einen Grund, seinen Selbst- und Heimathass, gemischt mit antideutscher Bevormundung auszupacken. Dabei kann man auch noch so zu tun, als ginge es einem selbst um die höchsten Werte und Toleranz. So zumindest scheinen die offensichtlich "Guten"  und hinter der "KISTe" versteckten Naiv-Radikalen und Pseudoversteher zu denken, die über uns herfallen, um uns im Auftrag ihrer Mission die verhaßte Identität zu nehmen. Aber bitte selbst nicht die seit ca. 1600 währende lila Schreckensherrschaft der Kirchen (wohlgemerkt nicht der Christen!) vergessen! Zu sybellinisch? Mit ihrer INTERNATIONALEN der toleranten  Infrarot-Beleuchtung erwecken sie besonders den braunen "Dreck" zum Dünger für die einfältig Dummen, um dann hinterher scheinheilig die Wiederauferstehung des Unkraut zu beklagen. Beklagen Sie lieber, dass es in lslamabad und am Roten Meer keine Beleuchtung für die Menschenrechte gibt. Kein Gast sollte sich über seine Geber erheben

Der Autor Herr Sacher hat also einen Raubüberfall auf Ihre Identität verübt? Wie lief denn der Überfall ab? Da gibt es in einer deutschen Großstadt eine Straße, die früher im Ruf stand, dort könne man mehr als sonst wo im Land Delikatessen kaufen. Dort wurde eine umsatzfördernde Dekoration angebracht, damit der Rubel rollt. Ramadan-Festbeleuchtung. Das veranlasste den Autor dazu, in Begeisterung auszubrechen.

Ihnen hingegen, werter Herr leoaul522366, wurde dadurch Ihre deutsche Identität geraubt. Nach Diebstahl und Raub ist eine detailgenaue Beschreibung der geraubten Güter nötig. Also schreiben Sie mal auf, woraus diese Identität besteht!

Fritz Kurz

Kurz und sündig, da ist ja wohl jemand persönlich, gewöhnlich und Verständnis-los. Wo keiner ist kann auch nichts sein. SCHADE um den destruktiven Geist, der so bereitwillig seiner religiösen Führung folgt.

Da möchte ich Ihnen nicht dreinreden, wenn Sie jetzt über meine destruktive Verständnislosigkeit grübeln wollen. Mein Thema ist ein anderes. Sie hängen der verbreiteten Vorstellung an, jeder habe eine Identität, die dann überdies noch nationalstaatlich sein soll. Diese Identität soll wertvoll sein und gerät in Gefahr, wenn in Frankfurt sich jetzt irgendwas mit Ramadan schiebt.

Was stellen Sie sich da vor? In Ihrem ursprünglichen Leserkommentar zum Artikel von Herrn Dr. Sacher zeigen Sie, dass Sie zumindest den Anfang seines Textes einschließlich des dort vorhandenen Grammatikfehlers durchaus genau gelesen haben und eine Gegenposition aufbauen wollen.

Dann legen Sie mal los mit der Identität!

Fritz Kurz

Da ist sie wieder, die Allzweckwaffe der unterschwelligen national-bräunlichen Farbendiskriminierung. In den Texten ist nichts von besonders extremen nationalen Ansprüchen zu lesen. Erst recht nicht von einer besonders wertvollen deutschen Nationalstaatlichkeit. Aber ohne Identität auch keine Wiedererkennung, damit auch keine Persönlichkeit und kein Pass. Auch die Wirkungen unserer kulturellen Bedingungen formen unsere Identität als Person und teilweise als Gruppe. Für Religion und Internationale sind wir alle unterschiedslos Brüder, möglichst ohne eine besondere Identität. Umso leichter manipulierbar. Das Problem: Nicht Jeder will jeden Bruder zum Bruder haben. Und ob eine unterschiedslose Multikulti-suppe künftig besser schmeckt, wird die Zukunft zeigen.

An einer Stelle schreiben Sie etwas durchaus Richtiges: "Aber ohne Identität ... kein Pass." Jeder Staat sortiert die unbefiederten Zweibeiner, die die Erde bevölkern, in zwei große Mannschaften, die Inländer und die Ausländer. Die Inländer sind seine Manövriermasse. Die Ausländer behandelt er noch schlechter als die Inländer, aber er kann sie nicht in derselben Weise in seine Planungen aufnehmen wie sein eigenes Menschenmaterial. Die ganze für Inländer wie Ausländer gleichermaßen gefährliche Unterscheidung funktioniert nur unter folgender Bedingung: Wiederum müssen sich Inländer und Ausländer beide von dieser Unterscheidung etwas versprechen. Und das tun sie leider. Der Trick ist diese Eigentümlichkeit namens Identität.

Wer einen deutschen oder russischen oder US-Ausweis besitzt, soll sich einer Hoffnung hingeben. Er soll meinen, er hätte mit diesem Ausweis einen Anspruch in der Hand. Den Anspruch, mit diesem Ausweis einen Vorteil gegenüber Ausländern beim Konkurrenzkampf um Wohnungen, Jobs und auf anderen Schlachtfeldern ausspielen zu können. Und wenn er merkt, dass das nicht klappt, dann soll er nicht etwa anfangen, Zweifel zu entwickeln. Zweifel an der angeblich segensreichen Einrichtung des Alltags als Konkurrenz. Oder Zweifel an der Unterteilung der Menschheit in Inländer und Ausländer. Stattdessen soll er sich voller Empörung an seinen Staat wenden. Von dem soll er verlangen, er möge gefälligst die Ausländer rausschmeißen. Auf diesen Irrwitz verfällt er, weil er sich einbildet, er besäße die jeweilige Staatsangehörigkeit aus gutem Grund. Der Grund soll in ihm entweder von Geburt an schlummern oder er soll sich im Laufe seiner Jugend dazugesellt haben. Da soll er etwas aufgesogen haben, was ihn zu Recht zu einem richtigen Deutschen oder Russen oder Ami macht. Dabei verfällt er auf Sprache, Festtagsbräuche, die Weise, wie er sich schneuzt oder seine Notdurft verrichtet, wie er betet, sich besäuft oder bekifft, welche Lieder er singt usw. All das soll nachweisen, dass der Deutsche das deutsche Plastikkärtchen im Scheckkartenformat verdient hat. Ebenso der Russe sein russisches und der Ami sein Amizeugs.

Diesen ebenso gefährlichen wie verbreiteten falschen Gedanken nennt man dann Identität. Dieser Gedanke ist von Anfang an ein Fehler. Und wer diesen Fehler nicht sehen will, verfällt auf einen zweiten Fehler. Er behauptet, das ginge schon alles in Ordnung mit der Identität, aber man möge es bitte nicht übertreiben. Eine Übertreibung wird festgestellt, wenn der Krieg in die Hose gegangen ist. Der Krieg ist die härteste Folge der irrtümlichen Vorstellung von der Identität und der daraus folgenden Aufteilung der Leute in Inländer und Ausländer.

Fritz Kurz

Kurz-Zitat "...zeigen Sie, dass Sie zumindest den Anfang seines Textes einschließlich des dort vorhandenen Grammatikfehlers durchaus genau gelesen haben".

Ich bedanke mich für die großzügige Anerkennung. Von oben sieht man doch alles "zumindest genauer", wenn auch die Perspektive "durchaus" leiden könnte.

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Bei uns im Ort (21 Tsd. EW.) in den 90-ern noch über 12.000 evangelisch. Im Dez. 23 noch 7.400, jetzt vermutlich unter 7 Tsd.. Jetzt muss/will man die kirchliche Bausubstanz radikal reduzieren. Warum diese Entwicklung? Hat der Glaube an Überzeugung verloren? Wenn, warum? Reicht die Kraft nur noch für das mühsamen Bewahren für besondes empfängliche Gemüter? Ist auch der Zeitgeist ein "GOTT"? Was hört man dazu von Synode und EKD? Ich fürchte das NICHTS, das man nicht denken kann.

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Rahmadan und anderer Wahn, was nützt ein Licht, wenn den Gläubigen kein Licht aufgeht? Glaubt heute noch jemand an Zeus,
Odin oder Jupiter?
Der Glaube versetzt Berge
von Menschen unter die Erde.

Wer möchte denn gerne wieder auferstehen?
Christentum und Ramadan, Auf Wiedersehn!

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