Bayerische Behörden
Das Kreuz mit dem Kreuz
Bayerns Ministerpräsident Söder ließ 2018 in bayerischen Amtsstuben Kreuze aufhängen. Darüber gab es juristischen Streit. Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden: Sie dürfen bleiben. Warum das religiös wie politisch falsch ist
Kreuz im Eingangsbereich des Dienstgebäudes der Regierung von Schwaben in Augsburg
Kreuz im Eingangsbereich des Dienstgebäudes der Regierung von Schwaben in Augsburg
Annette Zoepf/epd-bild/imago
20.12.2023
2Min

Die Kreuze müssen nicht ab, sagt das Bundesverwaltungsgericht. Und das ist schlecht. Aus politischer wie religiöser Sicht. Als der bayerische Ministerpräsident Markus Söder 2018 ankündigte, dass im Eingangsbereich von öffentlichen Amtsgebäuden in Bayern ein Kreuz aufgehängt werden soll, sollte dies "Ausdruck der geschichtlichen, kulturellen Prägung Bayerns" sein. Kulturelle Prägung Bayerns? Da hätte er lieber einen Bierkrug aufhängen sollen. Denn was ist bekannter als das bayerische Bier? Vielleicht die Lederhosen. Sicher nicht das bayerische Kreuz.

Das Kreuz ist das bekannteste religiöse Symbol des Christentums – wenn man auch dieser Tage denken könnte, das sei der Weihnachtsbaum. Aber die religiöse Bedeutung des Kreuzes dürfte Söder nicht passen: Das Kreuz steht ja gerade für die Umkehr aller Ordnung. Gott selbst stirbt laut der christlichen Tradition am Kreuz. Das Mächtigste wird also zum Unmächtigsten. Schon in der Bibel wird das Kreuz als Skandal bezeichnet. Ein Symbol des Machtbruchs in den Behörden des Machtmenschen Söder?

Die Aktion Söders aus dem Jahr 2018 war sowieso nur ein gut gelungener PR-Stunt. Er wollte Aufmerksamkeit und bestätigendes Kopfnicken von seinen CSU-Stammwählern. Das hat er damals auch bekommen. Die katholische und die evangelische Kirche hatten sich gegen das Aufhängen des Kreuzes ausgesprochen.

Aber das war Söder egal. Er hat damals ja sogar gesagt, dass es ihm nicht darum gehe, ein religiöses Symbol aufzuhängen. Nur: Das Kreuz aufhängen und es dann nicht als religiöses Symbol verstehen – das war schon damals absurd.

Nimmt man Söders Bemerkung, er habe gar kein religiöses Symbol aufhängen wollen, ernst, dann wird es auch nicht besser. Denn was könnte er politisch damit aussagen wollen: Wir sind christlich und das ist gut so? In einem Land, in dem knapp 50 Prozent der Menschen keine Christen mehr sind, ist das ein falsches Signal. Weil es Angehörigen anderer Religionen sagt: Ihr seid hier zwar vielleicht geduldet, aber zur ersten Liga gehört ihr nicht.

Jetzt muss das Bundesverfassungsgericht entscheiden. Vielleicht setzt es der Instrumentalisierung des heiligsten Symbols des Christentums doch noch ein Ende. Das wäre gut: aus religiöser wie politischer Sicht.

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Was daran falsch sein soll kann ich nicht erkennen. Bedfort-Strom und Marx haben ihre Kreuze in Jerusalem abgelehnt. Die Kipa darf hier überall getragen werden. Politische Embleme (Hammer + Sichel) auch, obwohl an ihnen genug Blut klebt. Wie ist denn das mit den öffentlichen Fahnen und den Hymnen? Darf man dann vor Gericht keinen religiösen Vollbart oder Schläfenlocken tragen? Im zivilisierten Ausland ist das alles kaum ein Problem. Wieso bei uns?

Sehr geehrter G.L.,
ich könnte zurückfragen: welchen Sinn hat so ein Kommentar, der aus einer einzigen nicht belegten Behauptung besteht? Wenn Sie für Kreuze in den Amtsstuben sind, dann könnten Sie das auch überzeugend darstellen. Aber offensichtlich fällt Ihnen aus einem kurzen Satz nichts ein. Oder irre ich mich?

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Mir war immer nicht klar, wieso ein Folter- und Hinrichtungsgestell als christliches Symbol gesitig funktionieren kann. Da wäre mir eine Sonnenblume lieber und überzeugender! Und funktioniert, gelle?

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Der Autor hat geschrieben: "Das Kreuz aufhängen und es dann nicht als religiöses Symbol verstehen – das war schon damals absurd." Es handelt sich hier um die Absurdität namens Rechtsstaatlichkeit. Das Gericht kann die Kreuze entweder hängen lassen oder deren Abnahme anordnen. Als christliches Symbol darf es wegen diverser Neutralitätsverpflichtungen nicht herumhängen. Also wird es in die Reihe von Bierkrug und Lederhose gestellt. Dann kann es hängen bleiben. Wobei "Machtmensch Söder" aus Franken stammt und dort Wein aus der Wasserleitung fließt und nicht Bier wie in Altbayern. Aber dieses Geheimwissen muss sich nicht bis nach Hessen herumsprechen.

Weiter hat der Autor geschrieben: "Das Kreuz steht ja gerade für die Umkehr aller Ordnung." Und diese makabre Verwechslung von frommem Wunsch und Wirklichkeit soll jetzt keine Absurdität darstellen?

Fritz Kurz

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