Khola Maryam Hübsch
Für Khola Maryam Hübsch ist das Kopftuch Zeichen ihrer Spiritualität
Lea Weber
Hidschab im Islam
"Ich habe das als Befreiung erlebt"
Khola Maryam Hübsch unterstützt den Kampf der iranischen Frauen für mehr Rechte - und trägt Kopftuch. Ein Widerspruch?
Tim Wegner
25.10.2022
6Min

chrismon: Frau Hübsch, warum tragen Sie Kopftuch?

Khola Maryam Hübsch: Es ist Ausdruck meiner Spiritualität und meiner Liebe zu Gott. Ausschlaggebend ist für mich, dass das Kopftuch als Gebot im Koran verankert ist.

Wo im Koran?

Es gibt mehrere Stellen in Sure 24 und 33. Zuerst werden da aber die Männer angesprochen, ermahnt, dass sie ihre Blicke zu Boden richten und Frauen respektvoll behandeln sollen, unabhängig davon, wie sie sich kleiden. Frauen sollen sich bedecken, damit sie als Muslime erkannt werden, und auch, um sich zu schützen – ­ ohne Männer aus der Verantwortung zu nehmen. Frauen haben im vor­islamischen Arabien im 7. Jahrhundert eine Kopfbedeckung getragen, die an der Schulter nach hinten fiel, der Brustbereich blieb oft frei. Im Koran wurde dann darauf hingewiesen, dass auch der Brustbereich bedeckt werden soll. Dass das auch für die Haare gilt, versteht sich von selbst. Der Hidschab ist auch ein Signal nach außen: Diese Frau hat kein Interesse an einem Flirt und möchte ernst genommen werden.

chrismon Spendenabo doppeltgut
doppeltgut
Digitales Spendenabo abschließen und weiterlesen

4 Wochen gratis testen, danach mit 10 € guten Journalismus und gute Projekte unterstützen.
Vierwöchentlich kündbar.

Die Kommentarfunktion ist nur noch für registrierte Nutzer verfügbar. Um einen Leserkommentar schreiben zu können, schließen Sie bitte ein Abo ab, schreiben Sie uns eine Mail an leserpost@chrismon.de oder diskutieren Sie auf Instagram, Facebook und LinkedIn mit.
Permalink

Fällt Chrismon den iranischen Frauen in den Rücken, indem man Khola Maryam Hübsch unter dieser Titelzeile zum Kopftuch und dem "Konflikt" im Iran befragt? Ich finde schon. Alleine den Aufstand und das brutale Zurückschlagen mit Hunderten Toten lediglich als Konflikt zu titulieren ist bezeichnend. Frau Hübsch wird dann zum Tragen des Kofptuchs zitiert: " ich habe das als Freiheit erlebt". Gleichzeitig ist für Frau Hübsch aber klar, dass das Tragen des Kopftuchs ein Gebot im Koran ist und "wir muslimische Frauen müssen das Kopftuch zurückerobern und klarmachen wofür es steht". So kann man gut in einem freien Land wie Deutschland argumentieren und leben, aber im Iran, auf den Malediven in Afghanistan usw.?

Ich verstehe Frau Hübsch so, dass ihr sehr wohl bewusst ist, dass sie aus einer komfortablen Position heraus spricht. Sie setzt ihren eigenen Standpunkt nicht absolut. Und sie macht deutlich, dass neben dem Iran, den Malediven und Afghanistan eben auch die Situation der muslimischen Frauen in Indien oder Frankreich ernst zu nehmen ist. Das "Zurückerobern" geht tatsächlich das eigentliche Problem an: Die Machtstrukturen. Und eben nicht die Kleidungsstücke.

Permalink

Sehr geehrte Redaktion von chrismon,
seit ungefähr einem Jahr bin ich jetzt Leserin ihrer Zeitschrift und mag die Themenvielfalt und ihre differenzierte Art sich mit aktuellen und geistlichen Themen zu beschäftigen sehr.
Umso mehr musste ich stutzen als ich oben genanntes Interview aus der Ausgabe 12/22 las. Auf den ersten Blick liest es sich, wie eine Verteidiung und ein Manifest für das Kopftuch! Diese Signale finde ich in der aktuellen Situation und der weltweiten Solidarisierung mit den Protesten im Iran falsch.
Dass sie mit Frau Hübsch eine Frau darstellen wollen, die sich auch mit Kopftuch für die Protestbewegung solidarisiert und dies kein Gegensatz sein muss, kommt verständlich rüber. Allerdings stören mich auch andere Eckpunkte des Interviews. Vor allem der Vergleich von Frauen mit und ohne Kopftuch:
"Diese Frau hat kein Interesse an einem Flirt und möchte ernstgenommen werde" --> Bedeutet das im Umkehrschluß, das Frauen ohne Kopftuch Freiwild sind und nicht ernstgenommen werden wollen (oder können?)
"...wie schön es ist, wahre Liebe zu erleben..." --> Ist wahre Liebe nur möglich, wenn man in der Ehe ist und sich vor anderen Männern versteckt?
Mich stören dabei nicht nur die Aussagen von Frau Hübsch, sondern ihre Sicht auf die Männer. Sollten wir Männern in unserem Zeitalter nicht zutrauen, dass sie eine Frau auch ohne Kopftuch ernstnehmen?
Mir fällt dazu abschließend aus christlicher Sicht nur das Folgende ein:
Die Gnade steht über dem Gesetz. Kleidervorschriften und etliche andere Gesetzmäßigkeiten konnten durch unseren Herrn Jesus Christus ja Gott sei Dank überwunden werden!!!
Nicht, dass es falsch verstanden wird: ich habe in meinem beruflichen Kontext u.a. Elternarbeit mit geflüchteten Familien, viel Kontakt zu muslimischen Frauen und akzeptiere deren Entscheidung für das Kopftuch.
Gerade, wenn man miterlebt, wie oft diese Frauen unter Gesetzlichkeiten ihrer Religion "leiden", wächst daraus der Wunsch, dass sie aus der Gesetzlichkeit ins Licht, in die Gnade kommen!
Mit herzlichen Grüßen aus Freiburg,
Laura Wössner