Andererseits - Die Samenspende verschweigen
Kati Szilagyi
Samenspende
Den biologischen Vater verschweigen?
Das Kind ist erwachsen und weiß von nichts. Soll man ihm sagen, dass der biologische Vater ein Samenspender war? Theologin Stefanie Schardien weiß Rat
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Aktualisiert am 02.07.2026
1Min

Sine A. aus München:

Gute Freunde von uns konnten keine eigenen Kinder kriegen. Mit ­einer Samenspende klappte es dann. Nur eine Handvoll Leute ­wissen davon, nicht die Großeltern, nicht das Kind selbst. Nun ist es ­erwachsen – und seine Eltern schweigen. Ich finde das schlimm, mir tut das Kind leid. Drum frage ich meine Freunde immer wieder, ob sie es ihm nicht doch sagen wollen ...

Stefanie Schardien antwortet:

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Stefanie Schardien

Dr. Stefanie Schardien, geboren 1976, ist Theologin und seit 2024 Theologische Geschäftsführerin des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik. Von 2019 bis Ende 2024 gehörte sie zum festen Team der ARD-Sendung "Das Wort zum Sonntag".

Die Furcht der Eltern kann ich im ersten Moment nachvollziehen: Was, wenn sich das Kind von seinem sozialen und rechtlichen Papa abwendet? Wird es wütend wegen der vielen Jahre Nicht­wissen? Schlaue, aufgeklärte Empfängereltern wissen freilich um das geltende "Recht des ­Kindes auf Kenntnis der eigenen Abstammung". Nur: Wenn das Kind keine Zweifel hegt, wird es das niemals einklagen. Darauf setzen die Eltern.

Sollte aber ­diese Unaufrichtigkeit jemals ­herauskommen, wird die Beziehung zu ihrem Kind – und auch zu den anderen Uneingeweihten – zweifellos auf eine viel größere Probe gestellt, als wenn sie behut­sam die Wahrheit sagen. Nach so vielen Jahren würde ich dafür therapeutische Begleitung hinzuziehen. Und ich würde darauf vertrauen, dass das Kind 18 Jahre Erziehung und Liebe seiner Eltern wertzuschätzen weiß. Klug, liebevoll und ethisch gut beraten wären sie also, wenn sie ihrem Kind sein Recht auch ermöglichen.

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