Die Stadt ist belagert. Jetzt nicht aufgeben, heißt es. Und: Schwarzmaler sind wegzusperren oder zu töten! Doch dann wird der König nachdenklich. Einer der Weggesperrten hatte anderen stets schonungslos die Wahrheit gesagt, bislang lag er mit allen Prognosen richtig. Der König lässt ihn heimlich holen und fragt: "Was wird aus mir?" Der Gefangene sagt: "Wenn ich dir die Wahrheit sage, bringst du mich um." Der König schwört, ihn am Leben zu lassen. Der Gefangene sagt: "Gib auf. Der Feind tut dir nichts. Die Stadt wird sowieso erobert. Ergibst du dich aber nicht, wird sich der Feind übel an dir rächen." Der König hält sein Wort und lässt den Schwarzmaler am Leben. Aber er verlangt: "Wenn dich meine Hauptmänner fragen, was du mit mir besprochen hast, sag ihnen, du hättest mich um Gnade gebeten."
Was soll der Wahrheitssager tun? Ist er den Hauptmännern gegenüber ehrlich, muss er einen sinnlosen Heldentod sterben. Und irgendeine Erklärung werden sie von ihm verlangen. Insofern wäre eine Notlüge in diesem Fall bestimmt akzeptabel, oder?
Das Neue Testament findet dazu große Worte. Die sündige Menschheit habe Gottes Wahrheit in Lüge verkehrt, wettert der Apostel Paulus. Der Verfasser des 1. Timotheusbriefes stellt Lügner und Meineidige in eine Reihe mit Elternmördern, Knabenschändern und Menschenhändlern. Christen sollen nur Wahrheit reden, ein jeder mit seinem Nächsten, schreibt ein anderer.
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Chrismon 03.2019
Sehr geehrter Herr Weitz,
in Ihrem Artikel „Sind Notlügen erlaubt“ erläutern Sie eine Problematik mit Beispielen aus der Bibel. Es gibt Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit, die eine andere Sichtweise ebenfalls nicht ausschließen. So habe ich mehrere Personen sehr gut gekannt, die während der Besatzungszeit meiner Heimat durch Nazi-Deutschland Juden versteckt hatten. Bei Hausdurchsuchungen wurden die Bewohner nach versteckten Juden befragt. Was meinen Sie, wäre mit meinen Angehörigen und den von Ihnen geschützten Menschen passiert, wenn dort die Wahrheit gesprochen worden wäre?
So viel zum Thema Notlügen und praktizierte Menschenliebe.
Mit freundlichem Gruß
Dr. Rintje Osinga
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Ihre Kommentare
Dr. Osinga,
gut, dass sie dies so deutlich formulieren, sonst wäre es noch schlimmer ausgegangen
als es schon war.Das Institut in Ludwigsburg verfolgt immer noch Naziverbrecher, die über 90 sind und sich lange verstecken konnten. Teilweise tätigten sie Tötungen an über 5000 Menschen, sind schuldig dieser Verbrechen und werden immer noch zur Rechenschaft gezogen.
Liebe Grüße Dr. Bernd Rheinländer
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