Ich gehe einer Katze hinterher, weil ich glaube, die Katze ist unsere Katze.
Unsere Katze ist vor acht Tagen weggelaufen. Sie hatte rot-weiß gestreiftes Fell.
Ich gehe einer Katze hinterher, weil ich glaube, die Katze ist unsere Katze. Unsere Katze ist vor acht Tagen weggelaufen. Sie hatte rot-weiß gestreiftes Fell.
Tina Berning
Ich bringe die Katze zurück
Ein Mann hat Angst, dass sich seine Frau von ihm ­trennen möchte. Ein Gedicht? Nein, eine Kurzgeschichte in Einfacher Sprache von Julia Schoch.
06.02.2023

Es ist ganz einfach.
Dieser Satz ist mein Leitspruch.
Ein Leitspruch ist etwas, das man sich immer wieder vorsagt.
Etwas, an das man sich hält. An das man sich klammert.
Genau das tue ich.
Ich sage den Satz oft. Ich sage ihn zu mir selbst.
Ich sage ihn nicht laut. Eine Stimme spricht den Satz in meinem Innern:
Es ist alles ganz einfach.
Mit "alles" meine ich: das Leben.
Das Leben von mir und meiner Frau.
Der Satz beruhigt mich. Er macht mich zuversichtlich.
Zuversicht bedeutet: Alles wird gut.

Wer würde sich nicht wünschen, dass alles gut wird?
Es ist fast Abend, und ich bin auf dem Nachhauseweg.
Allerdings gehe ich nicht direkt nach Hause. Ich mache Umwege.
Manchmal bleibe ich stehen. Oder ich wechsle die Straßenseite.
Warum ich das tue?
Ich folge einer Katze. Ich gehe ihr hinterher.

Ich weiß, das hört sich lächerlich an. Aber es ist so.
Ich gehe einer Katze hinterher, weil ich glaube, die Katze ist unsere Katze.
Unsere Katze ist vor acht Tagen weggelaufen.
Sie hatte rot-weiß gestreiftes Fell.
Und diese hier sieht genauso aus.
Sie sieht aus wie die Katze, die vor acht Tagen von uns zu Hause weggelaufen ist.
Ich werde die Katze einfangen und sie meiner Frau zurückbringen.
Wenn meine Frau die Katze sieht, wird sie sich freuen.
Ich will, dass meine Frau sich freut.
Das wird sie ablenken von ihrem Plan.

Der Plan meiner Frau ist: Sie will mich verlassen.
Ich weiß, dass sie es will.
Sie will es sagen, sehr lange schon, aber sie wartet noch.
Sie wartet auf den richtigen Zeitpunkt.
Vielleicht ist der richtige Zeitpunkt heute, an diesem Tag.
Darauf habe ich keine Lust.

Julia Schoch

Julia Schoch, 1974 geboren, ist Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie wuchs in einer Garnisonsstadt in Ost-Mecklenburg auf, ihr Vater war NVA-Offizier. 1986 zog die Familie nach Potsdam. Viele ihrer hochgelobten Kurzgeschichten und Romane handeln von Menschen, die in der DDR aufwuchsen – und davon, was nach dem Mauerfall aus ihnen wurde. Zuletzt erschien von ihr: "Schöne Seelen und Komplizen" (2018), "Fontaneske. Einmal so schreiben, so reisen, als ginge es um nichts" (2019) und "Vorkommnis" (2022). Im Februar 2023 erscheint "Das Liebespaar des Jahrhunderts".
Privat

Tina Berning

Tina Berning lebt und arbeitet als Künstlerin und Illustratorin in Berlin. Ihre Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet und ist in zahlreichen renommierten Anthologien erschienen. Neben Kampagnen für Kunden aus den Bereichen Werbung und Industrie arbeitet sie regelmäßig für Magazine wie Die Zeit, New York Times, New Yorker, SZ Magazin, Stern, Vogue u.v.a. Tina Berning unterrichtet seit 15 Jahren Zeichnen an der Kunsthochschule Weissensee, Berlin. Eine Monographie ihrer Zeichnungen erscheint im Frühjahr 2023 bei Diogenes / Steidl.


Ich mag es nicht, wenn sich etwas ändert.
Natürlich weiß ich, dass nichts so bleibt, wie es ist. Ich bin nicht naiv.
Alles ändert sich. Andauernd.
Die meisten Menschen sagen: So ist es eben. Die Dinge ändern sich.
Das ist ein Gesetz. Man kann nichts dagegen tun.
Aber ich habe keine Lust, mich diesem Gesetz zu beugen.
Dieses Gesetz macht mich wütend.
Es macht mich wütend, dass die Dinge sich ändern.
Es macht mich wütend, dass meine Frau zu mir sagen will: Ich verlasse dich.

Deshalb muss ich ihr die Katze zurückbringen.
Ich muss verhindern, dass sie den Satz zu mir sagt.
Ich muss es schaffen, dass sie mir dankbar ist. Dass sie mich ­dankbar anlächelt.
Und dann werde ich ihr gestehen, dass ich schuld daran bin, dass die Katze weggelaufen ist.
Das ist die Wahrheit. Ich bin schuld.
Ich habe die Wohnungstür offengelassen.
Ich habe sie absichtlich aufgelassen.
Ich wollte, dass die Katze wegläuft.
Ich wollte meine Frau ärgern.

Meine Frau redet mit der Katze mehr als mit mir.
Sie streichelt die Katze. Sie krault die Katze. Sie erzählt der Katze sogar Witze.
Dann komme ich in die Küche, und meine Frau wird stumm.
Sie kramt in der Schublade mit dem Besteck.
Sie stellt den Wasserkocher an.
Das ist so laut, als würde ein Hubschrauber in der Küche landen.



Meine Frau fragt mich: Hast du die Wäsche aus der Wäscherei abgeholt?
Oder: Hast du Brot mitgebracht?
Oder: Hast du an das Geschenk für die Kinder gedacht?
Ich sage: Das habe ich vergessen. Sorry.
"Sorry" ist Englisch und bedeutet "Entschuldige bitte".
Ich sage "sorry", weil ich mich auf Deutsch nicht mehr ­entschuldigen kann bei meiner Frau.
Ich kann mich nur noch in einer Fremdsprache bei meiner Frau entschuldigen.
So fällt es mir leichter.
Meine Frau guckt dann jedes Mal böse und sagt: Du vergisst ­einfach alles.

Vielleicht hat sie recht. Vielleicht vergesse ich vieles.
Aber ich vergesse nicht alles.
Im Gegenteil. Bestimmte Dinge merke ich mir sehr genau.
Vor allem Dinge, die vor langer Zeit passiert sind.

Zum Beispiel erinnere ich mich genau an eine Nacht vor 30 Jahren.
Das war die Nacht, in der ich zum ersten Mal mit meiner Frau ­zusammen war.
Zu der Zeit war meine Frau natürlich noch nicht meine Frau.
Wir waren noch nicht verheiratet.
Trotzdem sage ich es so: meine Frau.

An diese erste Nacht erinnere ich mich

Damals war es ein sehr heißer Sommer.
Ich habe sie angerufen und gefragt, ob ich vorbeikommen kann.
Es war schon spätabends. Trotzdem hat sie Ja gesagt.
Also bin ich zu ihr gefahren. Und so fing es an.
Ich habe vieles vergessen, was in den Jahren danach passiert ist.
Aber an diese erste Nacht erinnere ich mich.

Ich erinnere mich deshalb so gut daran, weil an demselben Abend noch etwas anderes passiert ist.
Etwas Schreckliches.
(O ja, ich erinnere mich.
Wenn ich mich erinnere, ist das so, als würde ich in einem Zug
rückwärts fahren.
Tief in einen Tunnel hinein.)

An dem Abend wollte ich meinen Vater besuchen.
Er wohnte damals in einem Haus am Stadtrand.
Als ich ankam, brannte Licht im Haus.
Ich habe geklingelt.
Viermal.
Aber er hat nicht aufgemacht.
Also bin ich einfach reingegangen. Die Haustür war offen.
Im Flur habe ich laut gerufen: Hallo! Papa?
Dann bin ich ins Wohnzimmer gegangen.
Und dort, im Wohnzimmer, lag mein Vater. Er lag auf dem ­Fußboden.
Wenn ein Mensch mitten im Zimmer auf dem Boden liegt, ­bedeutet das nichts Gutes.
Ich wusste: Etwas Schreckliches war passiert.
Ich bin zu ihm hingerannt. Ich habe ihn angefasst.
Ich wollte ihn hochheben, aber es ging nicht.
Er war sehr schwer. Und er war sehr müde.
Er war so müde, wie man es nur wird, wenn man sehr viele Schlaftabletten schluckt.



Mein Vater hatte sehr viele Schlaftabletten geschluckt.
Ich sah die Packung auf dem Wohnzimmertisch. Sie war leer.
Und die Tabletten waren in meinem Vater drin.
Wenn man eine ganze Packung mit Schlaftabletten schluckt, stirbt man.
Aber ich hatte meinen Vater rechtzeitig gefunden.
Er atmete noch. Bloß sprechen konnte er nicht mehr.
Er konnte nicht mal die Augen richtig aufmachen.
Ich wollte nicht, dass mein Vater stirbt.
Ich habe es geschafft, ihn ins Badezimmer zu schleppen.
Und im Badezimmer habe ich es geschafft, dass er alle Tabletten wieder ausgespuckt hat.

Ich erinnere mich sehr genau an diesen Augenblick.
Ich war froh, dass mein Vater die Tabletten wieder ausgespuckt hatte.
Er war nicht gestorben. Er war am Leben.

Wir saßen auf dem Fußboden im Badezimmer. Wir saßen sehr lange dort.
Ich hielt seine Hand.
Später, nach ungefähr einer Stunde, habe ich ihn in ein ­Krankenhaus gebracht.
Ich glaube, mein Vater war froh, dass ich ihn gefunden hatte.
Er hat es nicht gesagt. Er war noch immer sehr müde.
Aber ich konnte es spüren.
Ich habe ihn ins Bett gebracht. In das Krankenhaus-Bett.
Das war ein merkwürdiges Gefühl.
Eigentlich muss der Vater sein Kind ins Bett bringen. Jetzt war es umgekehrt.
Ich brachte meinen Vater ins Bett und deckte ihn zu.
Dann sagte ich: Ich komme morgen wieder.
Und mein Vater sagte: Danke.

Ich fühlte mich sehr allein

Dann stand ich draußen auf dem Parkplatz vor dem Krankenhaus.
Es war schon dunkel.
Ich setzte mich ins Auto.
Das Auto war ein brauner VW Jetta. Er gehörte meinem Vater.
Aber nun war er im Krankenhaus. Da brauchte er das Auto nicht.
Ich wusste nicht, wohin ich fahren sollte.
Ich fühlte mich sehr allein. Ich wollte nicht allein sein.

Ich überlegte, zu wem ich fahren könnte.
Da fiel mir der Zettel ein, der in meiner Hosentasche steckte.
Eine junge Frau aus der Universität hatte ihn mir gegeben.
Sie hatte ihre Telefonnummer darauf geschrieben. Und dazu einen Satz:
Ruf mich an und komm vorbei!
Also schaute ich mich nach einer Telefonzelle um.
Zu der Zeit gab es noch keine Handys.
Man musste nach einer Telefonzelle suchen.
Wenn man heute einem Kind erklärt, wie eine Telefonzelle aussah, muss man sagen:
Telefonzellen waren große Schränke aus Glas. Sie standen einfach am Straßenrand. Und in diesen Schränken hing ein Telefon. Man ging hinein und wählte die Nummer.

Genau das tat ich.
Ich ging in eine Telefonzelle und rief die Nummer an, die auf dem Zettel stand.
Die junge Frau nahm ab. Sie war wirklich zu Hause. Dort, wo ihr Telefon stand.
Ich fragte: Magst du Vanille-Tee?
Ich weiß nicht, warum ich das gefragt habe. Ich hatte gar keinen Vanille-Tee.
Sie fragte: Um diese Uhrzeit? Es ist schon beinahe Mitternacht!
Ich sagte: Um diese Uhrzeit schmeckt er am besten.
Sie lachte.
Sie lachte und dann sagte sie:
Ja. Bitte komm her. Ich warte auf dich.
Ich fand es schön, dass sie lachte.
Da musste ich auch lachen.

Ich fuhr zu ihr.
Sie machte die Tür auf.

Ich bin die ganze Nacht geblieben

Zum Glück fragte sie nicht nach dem Vanille-Tee.
Wir setzten uns auf den Fußboden. Später lagen wir im Bett.
In der Nacht atmete sie seltsam.
Es hörte sich an, als würde sie keine Luft mehr bekommen.
Sie schob mich ein bisschen von sich weg.
Ich hatte Angst. Ich dachte, sie hätte irgendeine schlimme ­Krankheit.
Ich dachte es wegen meinem Vater, der im Krankenhaus lag.
Aber es war nichts. Sie war nur glücklich.
Das hat sie selbst so gesagt.
Sie sagte: Manche Menschen kriegen vor Glück keine Luft mehr.

Ich bin die ganze Nacht geblieben.
Und ich blieb auch noch den halben nächsten Tag dort.
Es war sehr heiß draußen. Wir saßen auf ihrem Balkon unter dem Sonnenschirm.
Mittags kochte sie Fisch.
Ich hatte noch nie jemanden getroffen, der im Sommer Fisch kochte.
Das Rezept hieß: Steinbeißer in Senfsoße mit Estragon.

Sie stellte den Topf mit dem Fisch auf den Tisch.
(Dieser Reim ist unbeabsichtigt, solche Dinge passieren.)
Sie sagte: Ich bin die beste Köchin der Welt.
Ich hatte noch nie jemanden getroffen, der sich selbst so sehr lobte. Das gefiel mir.
Ich wollte gar nicht mehr weg.
Aber ich musste. Ich musste ins Krankenhaus fahren.
Ich wollte meinen Vater besuchen.

Auf dem Weg ins Krankenhaus wurde ich richtig glücklich.
Ich lachte sogar laut. Obwohl ich auf dem Weg zu meinem ­kranken Vater war.
Und dann wurde mir etwas klar. Ich hatte an einem Tag zwei wichtige Dinge erlebt.
Erstens: Ich hatte meinen Vater am Sterben gehindert.
Und zweitens: Ich hatte mich verliebt.
Zwei so verschiedene Dinge waren an ein und demselben Tag ­passiert.
Erst der Tod und dann die Liebe. Beides an einem Tag.
Das muss etwas bedeuten, habe ich zu mir selbst gesagt.
Es muss etwas bedeuten, dass es derselbe Tag ist.

Als der Sommer vorbei war, ging es meinem Vater besser.
Und die junge Frau aus der Universität fragte mich:
Was ist das zwischen uns?
Ich verstand nicht, was sie meinte.
Was meinst du?, fragte ich.
Sie sagte: Die Liebe ist kompliziert.
Ich sagte: Nein, die Liebe ist gar nicht kompliziert. Die Liebe ist sehr einfach.
Sie lachte. (Damals lachte sie sehr viel.)
Sie lachte und fragte: Ach ja?
Ich lachte nicht. Ich sagte ernst: Man muss sich doch nur ­entscheiden.
Ich habe mich entschieden, dich zu lieben.
Und du hast dich entschieden, mich zu lieben. Fertig.
Viele Jahre lang war sie entzückt über diese Einfachheit.

Jeder Mensch erinnert sich an etwas anderes

Ich weiß nicht, ob meine Frau sich heute noch daran erinnert.
30 Jahre danach.

Jeder Mensch erinnert sich an etwas anderes.
Auch wenn wir das ganze Leben miteinander verbringen.
Wir verbringen Stunden und Tage und Wochen und Monate und Jahre zusammen.
Trotzdem erinnert sich nach 30 Jahren jeder an ein anderes Leben.
Das finde ich schlimm.
Dabei habe ich ihr schon vor 30 Jahren beschrieben, wie unser Leben sein wird.
Ich wusste nämlich genau, wie es wird.
Unser Leben wird folgendermaßen sein, habe ich gesagt.


Zuerst sind wir jung.
Wir verlieben uns ineinander.
Wir lieben uns wie verrückt.
Wir schließen einen Liebes-Pakt.
Wir weinen nie. Wir streiten nie.
Du amüsierst dich darüber, dass ich alles vergesse.
Ich amüsiere mich darüber, dass du nicht Auto fahren kannst.
Dann wirst du heimlich einen anderen Mann küssen.
Ich werde heimlich eine andere Frau küssen.
Manchmal streiten wir.
Wir bekommen Kinder.
Erst eins.
Dann noch eins.
Die Kinder werden Läuse und Fieber bekommen, Durchfall und Hautausschlag.
Jeden Sommer werden wir ans Meer fahren.
Und manchmal fahren wir im Winter in den Schnee.
Die Jahre gehen dahin.
Du findest es furchtbar, dass ich alles vergesse.
Ich finde es furchtbar, dass du immer noch nicht Auto fahren kannst.
Mein Haar wird grauer. Dein Haar auch.
Du wirst kleiner.
Meine Ohren werden größer.
Die Kinder sind nur noch selten zu Hause.
Sie schreiben uns Nachrichten übers Telefon.
Du fragst mich: Hast du Brot mitgebracht? Hast du an die Wäsche gedacht?
Die Liebe verschwindet fast.
Dann taucht die Liebe plötzlich wieder auf.
Wir lachen wieder über die Späße des anderen.
Du greifst nach meiner Hand und ich nach deiner, wenn wir spazieren gehen.

Deshalb laufe ich der Katze hinterher

Das habe ich zu meiner Frau vor 30 Jahren gesagt.
Und alles ist genauso gekommen.
Warum also etwas daran ändern?
Warum die Geschichte voreilig beenden?

Deshalb laufe ich der Katze hinterher.
Ich muss die Katze zu uns nach Hause zurückbringen.
Damit meine Frau ihr Vorhaben vergisst. Ihren Plan, mich zu ­verlassen.
Jetzt ist sie stehen geblieben. Die Katze. Dort vorn steht sie.

Neben einem Auto. Es ist ein brauner VW Jetta.
Ist das nicht merkwürdig?
Das gleiche Auto, mit dem ich vor 30 Jahren gefahren bin.
Ist das Auto vielleicht durch die Zeit gereist – aus der ­Vergangenheit zu diesem heutigen Tag?

Ich gehe zu der Katze und sage: Wir beide kennen uns, du und ich!
Die Katze sagt nichts.
Sie kneift die Augen zusammen.
Ich streichle sie. Dann nehme ich sie hoch.
Sie ist dünner als unsere alte Katze. Aber sonst sieht sie genauso aus.
Ich wundere mich. Dass sie sich so einfach hochnehmen lässt!
Sie schnurrt sogar.

Was, wenn es doch nicht unsere alte Katze ist?

Ich gehe mit ihr durch unsere Straße.
Bis zu dem Haus, in dem wir wohnen.
Ich trage die Katze auf dem Arm wie ein Paket. Wie ein Geschenk.
Ein Geschenk für meine Frau.
Im Treppenhaus schnurrt die Katze so laut, dass ich Angst habe, sie könnte mich verraten.
Dann wäre die Überraschung hin.

Als ich die Wohnungstür öffne, springt sie runter, hinein in die Wohnung.
Sie rast in den Flur, vorbei an der Küche.
Hat meine Frau etwas gehört?
Das frage ich mich.
Und ich frage mich noch etwas:
Was, wenn es doch nicht unsere alte Katze ist?
Was, wenn ich die falsche Katze mitgebracht habe?
Wie damals mit dem Vanille-Tee. Als ich gar keinen dabei hatte. Aber vielleicht ist es gar nicht schlimm. Vielleicht ist es nicht schlimm, wenn es nicht dieselbe Katze ist. Hauptsache, sie lässt sich streicheln.
Für Katzen ist das Leben leicht.
Sie bleiben dort, wo es Futter gibt.
So einfach ist das.
Wenn wir sie füttern, bleibt sie sicher bei uns.

LiES! Das Buch. ­Literatur in ­Einfacher Sprache. Piper. 288 Seiten. 20 Euro.
Außer Julia Schoch schreiben hier Alissa Walser, Arno Geiger, Judith Hermann, Nora Bossong und viele andere Kurzgeschichten.

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