Botschafter Khaled Zekriya vor der Afghanischen Botschaft in Rom
Botschafter Khaled Zekriya in der Afghanischen Botschaft in Rom, Italien.
Julian Busch
Der staatenlose Diplomat
Die Machtübernahme der Taliban ist über ein Jahr her. Doch der in Rom stationierte Diplomat Khaled Zekriya repräsentiert noch immer die Islamische Republik Afghanistan, einen Staat den es nicht mehr gibt. Mit den Taliban will er nichts zu tun haben.
13.12.2022

An einem Abend im Oktober, vierzehn Monate nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan, läuft ein Mann in Hawaiihemd und Leinenhose, mit Sonnenbrille und mit einer Zigarre in der Hand durch die antiken Ausgrabungs­stätten in Rom. Es ist warm, die Sonne geht unter. Der Mann erklimmt die Stufen zum Kapitolinischen Hügel, geht vorbei an sommerlich gekleideten Touristen. Ein ­Straßenmusiker spielt spanische Gitarrenmusik.

Vor einem Geländer bleibt der Mann stehen. Fünf Meter tiefer, ihm zu Füßen: 2000 Jahre Menschheitsgeschichte. "Es macht mich traurig und wütend", sagt er, "jedes Mal, wenn ich hier stehe, frage ich mich, warum Afghanistan nicht genauso sein kann."

Khaled Zekriya, 49 Jahre alt, ist seit Ende 2020 Botschafter der Islamischen Republik Afghanistan in Rom. Einer Republik, die faktisch nicht mehr existiert. Doch er trifft weiter Botschafter anderer Länder. Er hält Reden auf Versammlungen von internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen und stempelt weiter Dokumente für Bürger seines Landes.

Ein Diplomat wird von seiner Regierung nach internationalem Recht beauftragt, seinen Staat auf internationalem Parkett zu vertreten. Doch was geschieht, wenn das System zusammenbricht? Die Situation der afghanischen Diplomaten weltweit ist ein Sonderfall.

Privat

Julian Busch

Julian Busch ist kurz nach der Machtübernahme der Taliban nach ­Kabul gezogen. Er war überrascht, in Rom ein Relikt der alten Regierung zu finden. Im Garten der Botschaft steht zudem ein Jaguar-Oldtimer von König Mohammed Schah von Afghanistan, der einst im italienischen Exil lebte.

Als im Sommer 2021 die ausländischen Truppen abzogen, übernahmen die Taliban die Kontrolle. Eine Provinz nach der anderen fiel beinahe kampflos in ihre Hände, Präsident Ashraf Ghani floh über Tadschikistan in die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Armee kapitulierte. Nach 20 Jahren waren die Taliban wieder an der Macht, und die afghanischen Diplomaten im Ausland fanden sich in einer seltsamen Lage.

Bis heute weigern sie sich, das von den ­Taliban ausgerufene "Islamische Emirat" in ­Afghanistan anzuerkennen. Die Diplomaten unterstützen einander, auch finanziell, halten wöchentliche Online­meetings ab. Der ehemalige Außen­minister gibt weiterhin Leitlinien für seine Diplo­maten im Exil heraus. In den Botschaften werden immer noch Pässe, Heiratsurkunden oder Führungs­zeugnisse mit dem Emblem der Republik aus­gestellt, obwohl es sie offiziell nicht mehr gibt.

Es ist eine verrückte Situation: Die Taliban können das diplomatische Personal nicht austauschen, weil die meisten ­Staaten sie nicht anerkennen. Ihr diplomatisches Personal ist in Russ­land, der Türkei, China und dem Iran akkreditiert.

Als Kabul im August 2021 fiel, war Zekriya mit seiner Frau im Urlaub bei seiner Familie in den USA. Er stieg sofort in den Flieger nach Rom. Fuhr zur Botschaft, holte die afghanische Fahne mit der Trikolore der Republik vom Mast am Eingang und hängte sie an einen improvisierten Fahnenmast auf dem Dach der Botschaft. Dort, wo jeder sie sehen und keiner sie anrühren konnte.

"Das Außenministerium lag in Trümmern, es gab nicht mal ein Dach"

"Es gibt Diplomaten, die aus politischen Gründen berufen werden, die, sobald der Wind mal anders weht, aufgeben", sagt er, "und es gibt solche, die Diplomatie als Berufung und Berufsweg verstehen, als Dienst für ihr Land, unabhängig davon, welche Zustände in ihrem Heimatland herrschen."

Viele afghanische Diplomaten beantragten Asyl in ­ihren Gastgeberstaaten, andere beschränkten sich einfach auf das konsularische Geschäft. Zekriya blieb und wollte weiter­machen, weiter für sein Land kämpfen, auch poli­tisch. Er ist Botschafter mit einer Botschaft, die gehört werden soll: Gebt Afghanistan nicht auf!

Botschafter Khaled Zekriya musste viele Mitarbeiter entlassen. Manchmal stempelt er nun selbst

Zekriya stammt aus einer Diplomatenfamilie. Sein Vater war Chargé d’affaires an der afghanischen Botschaft in Frankreich. Sein Großvater arbeitete für das Außen- minis­terium, sein Großonkel war in den 30er Jahren Außenminister unter König Mohammed Schah im Königreich Afghanistan. Zekriya ist verheiratet und hat ein Kind aus erster Ehe, das in den USA lebt. Er spricht Englisch, Spanisch sowie seine Muttersprachen Dari und Paschtu.

2003, zwei Jahre, nachdem die USA das erste Taliban-­Regime gestürzt hatten, warb ihn der erste Außen­minister der Republik, Abdullah Abdullah, bei einer Auslands­reise in den USA für das Außenministerium in Kabul an. ­Damals habe Aufbruchstimmung geherrscht, sagt ­Zekriya. "Das Außenministerium lag in Trümmern, es gab nicht mal ein Dach." Er arbeitete ein Jahr lang ohne Gehalt.

"Ministerposten wurden verkauft"

In den Jahren danach war er unter anderem Sonder­gesandter für die USA, Botschafter in Katar, verhandelte dort erstmals direkt mit den Taliban über einen möglichen Friedensprozess. Als ihn Präsident Ghani Ende 2020 nach Italien entsandte, zog er mit seiner Frau von Kabul nach Rom. Ein halbes Jahr später brach die Regierung zu­sammen.

Doch der Zerfall der Regierung habe eigentlich schon 2004 begonnen, sagt Zekriya heute. Die Stimmung im Land habe sich schnell geändert. Zu viele Posten seien in den ersten Jahren durch Vetternwirtschaft oder nach ethnischen Kriterien besetzt worden. "Ministerposten wurden verkauft", sagt Zekriya. Die Regierung sei nicht in der Lage gewesen, ihrer Bevölkerung zu dienen, eine funktionierende Infrastruktur und soziale Sicherheit zu gewährleisten. Als bei den Präsidentschaftswahlen 2009 dann die USA eingegriffen hätten, sei bei vielen die Hoffnung auf eine funktionierende Republik endgültig erloschen.

Oktober 2022. Etwas nervös sitzt Zekriya am antiken Eichentisch in seinem Büro in der Botschaft in der Via Nomentana in Rom. Sein schwarzer Anzug und das weiße Anstecktuch sitzen perfekt, sein Gesicht ist glatt rasiert. In wenigen Minuten soll er in einem Videocall eine Rede bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN halten. Es geht um die Entwaldung der Welt und darum, dass immer mehr Urwälder im Osten Afghanistans abgeholzt werden, seitdem die Taliban die Kontrolle haben.

Aus dem Computer auf dem Schreibtisch von Zekriya dröhnt Musik, eine Frau singt ein Lied zur Eröffnung der Versammlung. Danach kommen die Reden. Eine ukrainische Diplomatin berichtet, wie der russische Angriffskrieg die Wälder ihres Landes zerstöre. Die Prinzessin von Jordanien appelliert an die Versammlung, nachhaltiger zu wirtschaften, den Klimawandel zu stoppen. Dann ist ­Zekriya an der Reihe. Er rückt die Kamera zurecht, schiebt den Stuhl an die Tischkante, räuspert sich kurz.

"Wir müssen gesehen und wahrgenommen werden"

"Ich danke Ihnen, Herr Vorsitzender, im Namen Allahs und im Namen der Islamischen Republik Afghanis­tan", ruft Zekriya in seinen Computer und schiebt den Bildschirm zurecht, damit man ihn besser sieht. Er spricht von einer Schattenwirtschaft der Taliban, dem illegalen Holzhandel, von fast 30 Prozent Verlust des Waldes in Afghanistan seit 2001. "Wir sollten nicht vergessen, dass eine gesunde Gesellschaft von einer gesunden Natur abhängt, danke!", ruft er zum Schluss.

Es sei ihm wichtig, auf die Probleme in seinem Land aufmerksam zu machen. "Wir müssen gesehen und wahrgenommen werden", sagt er.
Früher hätte er seine Reden immer mit der politischen Linie von Kabul abstimmen müssen. Heute schreibt er sie einfach selbst. Vieles sei sogar einfacher geworden, sagt Zekriya. Nur habe er, nachdem er alle anderen Diplomaten entlassen musste, so viele zusätzliche Termine, er komme kaum hinterher.

Die afghanische Botschaft liegt im Norden von Rom. Eine zweistöckige Jugendstilvilla, bereits 1926 vom Königreich Afghanistan erworben. Vor dem Eingang thronen zwei steinerne Löwen, der Springbrunnen ist aufwendig verziert, im Garten wachsen Zitronenbäume. Fünfzehn Botschafter taten hier ihren Dienst, darunter eine Frau. König Amanullah Khan und König Mohammed Schah verbrachten hier ihre Jahre im Exil. Es gibt einen "Granat­apfelraum", in dem früher der König speiste, und einen üppig dekorierten Empfangsraum. Im zweiten Stock wohnt Zekriya mit seiner Frau.

Porträts der ehemaligen afghanischen Botschafter in Italien

In den Wochen nach dem Fall der Regierung kämpfte Zekriya in Rom um das finanzielle Überleben der Botschaft. Er stellte zeitweise das Wasser ab, schaltete die Beleuchtung aus, um Strom zu sparen, er verringerte das Datenvolumen des Internets, sparte Papier und Druckertinte und reduzierte das Personal. Er entließ alle seine ­Diplomaten und die Hälfte seiner Angestellten.

Bis zum Fall der Regierung arbeiteten sechs Diplo­maten in der Botschaft. Heute ist es nur noch Zekriya selbst. Außerdem: ein Chauffeur, zwei Sekretäre, ein Gärtner, ein IT-Spezialist, eine Konsulatsangestellte, eine Hausdame. Wenn die Wände gestrichen werden müssen, tut Zekriya das selbst; dass die Botschaft repräsentativ bleibt, ist ihm wichtig.

"Improvisation ist alles"

Der Konsularbereich ist ein kleiner Bungalow am ­Rande des Geländes. In einem Raum ohne Fenster ­stehen zwei Computer auf einem Schreibtisch, an der Wand hängt ein Bild von Ahmad Schah Massoud, Anführer des Widerstands gegen die Taliban in den 90er Jahren. Eine Glasscheibe trennt das Personal von den Besuchern der Botschaft.

In Italien hätten sie Glück, sie könnten durch konsularische Dienste wie Verlängerungen von Pässen immer noch genug erwirtschaften, um die Botschaft auf Sparflamme am Leben zu erhalten, sagt Zekriya. Bisher habe zwar nur die Botschaft in Washington aus finanziellen Gründen schließen müssen, aber in Ländern wie Indo­nesien oder Sri Lanka hätten sie aus Mangel an Konsulats­besuchern Schwierigkeiten, den Betrieb am Laufen zu halten.

"Unser größtes Problem war, Pässe zu verlängern oder auszustellen", sagt Ahmad, Zekriyas wichtigster Mitarbeiter. Früher seien afghanische Pässe in der deutschen Bundesdruckerei in Bonn gedruckt worden, doch die habe ihre Dienste direkt nach der Machtübernahme eingestellt. Folglich seien ihnen schon bald die Vorlagen aus­gegangen. Mittlerweile könnten sie mit speziellen Aufklebern zumindest abgelaufene Passdokumente verlängern.

"Improvisation ist alles", sagt Ahmad und wedelt mit ein paar Dokumenten. Früher hätten sie, um Führungszeugnisse oder Heiratsurkunden auszustellen, erst Informationen bei den Ministerien in Kabul abgefragt. Heute müssten die Antragsteller eben Zeugen für ihren einwandfreien Lebenswandel mitbringen. Verheiratete Personen brauchen drei, Alleinstehende vier Zeugen.

An diesem Morgen betreten drei Vertreterinnen einer italienischen Hilfsorganisation die Botschaft. Sie wollen ihre Arbeit in Kabul so schnell wie möglich aufnehmen, doch es fehlen ihnen die richtigen Papiere. "Was haben die Taliban gesagt, welche Dokumente sie brauchen", fragt Ahmad die drei Frauen, die auf einem Sofa Platz genommen haben. Gemeinsam beugen sie sich über einen Schriftzug, der das Emblem der Taliban, des Islamischen Emirates von Afghanistan, trägt. "Euch fehlen die ­richtigen Stempel", sagt er dann. Doch dafür müsse er erst mit dem Botschafter Rücksprache halten.

Ich spreche nicht mit Terroristen"

Nachdem die Vertreterinnen wieder gegangen sind, zuckt Ahmad mit den Achseln. "Die Taliban wollen, dass wir ihnen Dokumente stempeln und schicken. Aber wir wollen auf keinen Fall mit ihnen kooperieren", sagt er. "Wenn wir ihnen antworten, dann nur mit Emblem und Anschrift der Islamischen Republik von Afghanistan."

Zweimal hätten die Taliban seit der Machtübernahme versucht, ihn persönlich zu kontaktieren, sagt Botschafter Zekriya. Aber: "Ich spreche nicht mit Terroristen", sagt er.

Außerdem gelte immer noch die Verfassung der Republik. "Den Taliban fehle es an internationaler An­erkennung, rechtlicher Legitimation und der Fähigkeit, das Land zu regieren", sagt er.

"Wir sind ein schwacher Staat, aber eine starke Nation"

Früher oder später hätten sie keine andere Wahl, als sich auf Verhandlungen einzulassen. Dafür brauche es eine neue Gruppe von afghanischen Politikern, die das Land in eine integrative Regierung führen könne. Politiker, die unbelastet seien, weder von den Taliban noch von dem bewaffneten Widerstand, der sogenannten Natio­nal ­Resis­tance Front. Gewalt, sagt er, würde nur zu noch mehr Blutvergießen führen. Eine Zukunft für Afghanistan könne es nur mit einer neuen, starken, politischen Ver­fassung geben.

Zekriya hat im Laufe seines Lebens zwei Könige erlebt, den Kommunismus, das erste Taliban-Regime, die Re­publik. Seine Generation wisse, dass sich die Zeiten auch wieder ändern würden. "Wir sind ein schwacher Staat", sagt er und hebt seine Hände in die Höhe, "aber eine starke Nation."

"Ja, aber dafür müssen wir auch einer Meinung sein"

Am nächsten Tag ist er mit dem Botschafter von Sri Lanka zu einem Austausch verabredet. Von seinem ­Chauffeur lässt er sich die 1,6 Kilometer zur sri-lankischen Botschaft fahren.

Der sri-lankische Botschafter sitzt hinter einem Schreibtisch im ersten Stock. Er ist ein kleiner Mann. Sein Bauch quillt unter dem Anzughemd hervor. Im Regal neben dem Schreibtisch steht eine große Buddhastatue, daneben ein Bildschirm, der die Bilder von sechs Überwachungs­kameras überträgt. Es liegt der Geruch von Duftkerzen in der stickigen Büroluft.

"Wie ist die Situation in Afghanistan?", fragt der Botschafter. "Ich denke, unsere alten Präsidenten haben vieles gemeinsam", sagt Zekriya und lächelt. Ein Mann im schwarzen Anzug bringt schwarzen Tee mit Zucker.
"Wir sollten uns öfter mit anderen Botschaftern treffen und austauschen", sagt Zekriya, "vielleicht können wir auch ein paar Statements zusammen verfassen und veröffentlichen."
"Ja", sagt der sri-lankische Botschafter und lächelt lakonisch, "aber dafür müssen wir auch einer Meinung sein."

"Ich liebe mein Land"

Der französische Dichter und Diplomat Saint-John Perse schrieb, Diplomatie sei die Kunst, mit hundert Worten zu verschweigen, was man mit einem einzigen Wort sagen könnte. Zekriya sagt, Diplomatie sei auch intellektueller Austausch, voneinander zu lernen, Beziehungen im Sinne seines Landes zu pflegen. Gerade jetzt, wo er ohne Regierung dasteht, ist er auf Mitstreiter angewiesen.
Als er wenig später wieder in der Botschaft ankommt, wirkt er das erste Mal ein wenig erschöpft.

Er sagt, er sei in den letzten Monaten ein paar Mal kurz vor der Verzweiflung gewesen, wie gelähmt. Auf­geben jedoch, die Botschaft alleinlassen, sei aber nie eine Option gewesen. "Meine Eltern haben mich als Kind immer gefragt, was würdest du wählen, wenn Afghanistan oder deine Familie von der Welt verschwinden müssten?", sagt er und lächelt. "Ich liebe mein Land."

Hinter den Mitarbeitern im konsularischen Bereich der Botschaft hängt ein Bild von Ahmad Schah Massoud, Anführer des afghanischen Widerstandes, den die Taliban 2001 umgebracht haben

Seit er nach Italien entsandt wurde, ist Zekriya nicht in Afghanistan gewesen. Er vermisst ­Kabul. Mit dem Auto die Darul-Aman-Straße entlangzufahren, die antiken Mauern auf den Bergen der Stadt zu sehen, immer dann, wenn ihm alles zu viel ­wurde: das Rennen gegen Mauern in der eigenen Regierung, die endlose Korruption. Das Gefühl, nicht fremd zu sein, die eigene Sprache zu sprechen.

"Rom ist schön", sagt er, "aber ich hoffe, dass ich irgendwann zurückkehren kann."

Am Abend ist er zu einem Empfang der konsularischen Mission der Bundesrepublik Deutschland eingeladen. Er hat sich einen schwarzen Anzug angezogen, blaue Krawatte, das Emblem der Republik steckt am Revers. Es gibt Bratwürste, Kartoffelsalat und Bier vom Fass. Knapp dreihundert Leute stehen im Garten der Mission, aus Laut­sprechern dröhnt Jazzmusik. Der deutsche Botschafter läuft mit seiner Frau umher, die stellvertretende Botschafterin aus Großbritannien ist da, die australische Botschafterin.

"Diplomaten sind oft auch unwissend"

Zekriya nimmt sich ein paar Bratwürstchen und Kartoffelsalat vom Buffet. "Wollen Sie auch einen Leberkäs?", fragt der italienische Kellner. "Ist das Schwein?", fragt Zekriya. Der Kellner schaut bedauernd.

Etwas verloren steht Zekriya im Gedränge. "Ich mag diese Veranstaltungen nicht", sagt er. Zu viel Small Talk, zu oberflächlich. Vor ein paar Monaten habe ihn eine Diplomatin auf so einem Empfang gefragt, wen er jetzt eigentlich repräsentiere, die Republik oder die Taliban. "Diplomaten sind oft auch unwissend", sagt er. Zudem würden ihn viele Leute nicht mehr erkennen, seit er sich aus Protest gegen die Taliban den Bart geschoren habe.

Er bleibt nicht lange an diesem Abend, kurz vor elf verlässt er die Feier. Die Republik Afghanistans findet an diesem Abend keinen Gesprächspartner mehr.

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