...des Friedens. Guatemala pflegt ein besonderes Versöhnungsritual. Auslandspfarrer Markus Böttcher war dabei
04.03.2013

Ende des vergangenen Jahres fand ich mich auf einer Ehrentribüne im Nationalpalast wieder. Mit anderen Geistlichen verschiedener Kirchen war ich beim 16. Jahrestag des Friedenschlusses nach 36 Jahren Bürgerkrieg dabei – einem Staatsakt mit mehreren Hundert Gästen. Vor mir der guatemaltekische Präsident, Exgeneral Otto Pérez Molina, daneben Ricardo Rosales, der ehemalige Vorsitzende der Kommunistischen Partei.

Ein Streichquartett spielte europäische Klassik, zwei Maya-Vertreter bliesen in Muscheln, die wie Hörner klangen. Die leichte musikalische Missstimmung, die dabei entstand, passt irgendwie zu den Gegensätzen in diesem Raum. Molina gehört zur politischen Rechten, Rosales zur Linken. Im Bürgerkrieg, dessen Ende wir feierten, hatten sich diese Seiten bekämpft. Die Wunden sind noch längst nicht verheilt – kein Wunder angesichts der 200 000 Toten und Vermissten und etwa einer Million Vertriebener. Ob man politisch links oder rechts steht, spielt hier immer noch eine große Rolle.

Als Höhepunkt folgte der Wechsel der „Rosa blanca“ – der weißen Rose. Im Hof des Palastes befinden sich zwei riesengroße Bronzehände. Darin liegt eine echte Rose. Jeden Tag wird diese durch eine frische ersetzt, am 29. Dezember immer mit einem Staatsakt. Die zarte, verletzlich wirkende Blume in starke Hände zu legen, das scheint mir ein gutes Symbol für den Frieden, um den man sich jeden Tag neu bemühen muss: gerade in Guatemala, wo die Einkommensunterschiede gewaltig sind.

Einer der Kirchenmänner in unserer Runde merkte später an, dass die Rose in die rechte Hand gelegt worden war. Die linke sei leer geblieben. „Nebensächlichkeit oder auch das ein Symbol?“, überlegten wir gemeinsam. Aber der Mann hatte sich geirrt: Als ich mir die Plastik noch einmal auf einem Foto betrachtete, sah ich, dass es gar keine rechte Hand gab. Sondern nur: zwei linke Hände. Was das für den Friedensprozess bedeutet? Darüber, das muss ich zugeben, habe ich dann nicht nachgedacht.