In unseren politisiert-aufgeheizten Zeiten berufen sich alle möglichen Parteien wieder auf das Christentum und nehmen dabei auch Jesus für sich in Anspruch. Besonders auf der rechten Seiten des politischen Spektrums ist das zu beobachten. Nur: Wie weit nach rechts kann man sich als konservativer Christ bewegen? Und kann ein Blick auf Jesus helfen, diese Frage zu beantworten?
Unsere Einteilungen des politischen Spektrums in links und rechts oder progressiv und konservativ wären Jesus zwar völlig fremd. Er kannte sie nicht und auch nicht die moderne Demokratie, in der die Menschen ihre Staatsführung wählen können. Er lebte im Römischen Reich. Menschen wie er hatten keine Chance auf Mitbestimmung.
Entscheidend für die Entwicklung der modernen Demokratie war die Französische Revolution. Sie gilt auch als Ausgangspunkt für die Entstehung des Konservatismus. Als dessen Gründungsdokument gilt Edmund Burkes "Betrachtungen über die Französische Revolution". Der Philosoph veröffentlichte die Schrift 1790, ein Jahr nach Beginn der Revolution. Der frühe Konservatismus, für den Burke steht, entstand aus einem Unbehagen gegenüber der radikalen und zunehmend gewalttätigen Umwälzung der Gesellschaft. Dahinter stand auch die Frage: Gab es nicht eine göttliche Ordnung der Welt, die nun infrage gestellt wurde? Gehörten dazu nicht Königtum und Ständegesellschaft?
Das mag sich reaktionär anhören, aber schon die frühen Konservativen waren keineswegs gegen Veränderung. Burke schrieb: "Ein Staat, dem die Mittel zur Veränderung fehlen, dem fehlen auch die Mittel zu seiner Erhaltung." Sie sorgten sich nur darum, dass Veränderung die Tradition übergehen würde – so eine Veränderung sei künstlich erzwungen und nicht nachhaltig.
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