Freude ist keine Emotion, die sich leicht mit moralischen Argumenten verhindern lässt. Es ist eine sehr menschliche Reaktion, sich über den Schaden der eigenen Feinde zu freuen. Wer das iranische Mullah-Regime ablehnt, wird es gar nicht verhindern können, eine gewisse Genugtuung über das Ende von deren Führer Ali Khamenei zu empfinden. Immerhin ist es das Ende eines erwiesenermaßen schrecklichen Verbrechers.
Zur Erinnerung: Es wird davon ausgegangen, dass die iranische Führung unter Khamenei allein in den ersten Monaten dieses Jahres viele Tausende Iraner und Iranerinnen ermordet hat, weil diese gegen das Regime demonstriert haben. Das "Time Magazine" schreibt mit Verweis auf Quellen aus dem iranischen Gesundheitsministerium von 30.000 Toten allein im Januar 2026. Und das ist nur ein ganz kleiner Teil des Terrors, der von den Mullahs seit der Islamischen Revolution 1979 ausgegangen ist.
Doch das legitimiert auf einer ethischen Ebene die Freude nicht. In der Bibel heißt es im Buch der Sprüche 24,17: "Freue dich nicht über den Fall deines Feindes, und dein Herz sei nicht froh über sein Unglück." Trotzdem ist es auch nicht sinnvoll, sich für etwas zu schämen, das intuitiv kommt und verständlich ist. Zentraler als die Frage, ob man sich freuen darf, ist die Frage, ob es überhaupt Grund zur Freude gibt. Wie lässt sich der Angriff aus christlicher Sicht ethisch beurteilen? Die Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland von 2025 liefert hierfür Kriterien.
Das erste und oberste Kriterium christlicher Friedensethik ist der Gewaltverzicht. Gewalt soll nicht sein. Nach diesem Kriterium wäre der Angriff also klar abzulehnen. Dennoch setzt die Friedensschrift das Gebot des Gewaltverzichts nicht absolut. Der Schutz vor Gewalt kann ein wichtiger Grund sein, selbst Gewalt anzuwenden.
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