Drei Mal ist Frank schon durch die Hölle gegangen, sagt er. Und nach der Nachricht, die er heute an seinem 58. Geburtstag bekommen hat, muss er es vielleicht noch ein viertes Mal tun.
Jetzt sitzt er in seinem Keller, den er "das Bernsteinzimmer des kleinen Mannes" nennt. Auf seinem Kopf ein Hut, der so dicht mit Coca-Cola-Kronkorken beklebt ist, dass man nicht mehr viel vom Stoff sieht. Es sind die gleichen, die auch seine Weste zieren. Sie ist ihm ein wenig zu klein und spannt im Sitzen. Mit den Armen fuchtelt er durch die Luft wie ein Dirigent und summt. Aus den Boxen dröhnt Andreas Martin, der davon singt, dass er den Mond heute Nacht mit einem goldenen Lasso für eine Frau einfangen will.
Ein Laser gleitet im Takt zur Musik über die Kellerwände und tastet jeden der Kronkorken einzeln ab, mit denen Frank die Wände und Böden in den vergangenen Monaten vollgeklebt hat. Über 150.000 Stück, befestigt mit 800 Kilo Kleber. Im Nebenzimmer 400 verklebte Tütensuppen und im Flur über 3000 Zigarettenschachteln. Fein säuberlich, akkurat und symmetrisch. Kaum ein Zentimeter Tapete ist mehr zu sehen.
Im Oktober 2024 lud er das erste Video seines Kellers im Internet hoch. Mittlerweile schauen ihm über 27.000 Instagram-Follower beim Kleben zu. Auf TikTok hat eines seiner Videos über 18 Millionen Views. Die Kronkorken schenken ihm Restaurants, Kioske und Follower, die ihn unterstützen wollen. Die Menschen dort finden ihn lustig. Einige staunen über das Kronkorkenzimmer. Viele denken, ihm sei langweilig, er sei ein Säufer oder wolle berühmt werden. Aber das stimmt nicht.
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