Kommunikation
Die Kunst des Zuhörens
Die Welt wird lauter, die Stimmung gereizter, die Debatten schriller. Und doch: Zuhören ist das Sehnsuchtsthema unserer Zeit. Aber was heißt es, wirklich zuzuhören? Ein Essay von Bernhard Pörksen
Echtes Zuhören: erst dann entsteht eine Verbindung zwischen zwei Menschen
Golden Cosmos
Bernd Brundert
06.02.2026
5Min

Ein wichtiger Hinweis: Der folgende Text handelt von einem Menschen, der Suizidabsicht hat. Falls Sie selbst Suizidgedanken haben, nehmen Sie bitte Hilfe in Anspruch. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr anonym und kostenlos erreichbar unter 0800-1110111 und 0800-1110222.

Vor mir liegt ein 20 Jahre altes Foto, das John Storey, Fotograf des "San Francisco Chronicle", am 11. März 2005 um die Mittagszeit auf der Golden Gate Bridge bei San Francisco gemacht hat. Dieses Foto zeigt die dramatischste Zuhörszene, die ich kenne. Man sieht hier den Polizisten Kevin Briggs, der weit über die Region hinaus bekannt wurde, weil es ihm gelang, über 200 Menschen von ihrem Suizidversuch auf der Brücke abzubringen, ihnen in einer Weise zuzuhören, die sie dazu bewegte, sich dem Leben wieder zuzuwenden.

"Guardian of the Golden Gate" hat man ihn genannt. Und man sieht auf diesem Bild einen jungen Mann, der Kevin Berthia heißt und der über das Geländer geklettert ist, bereit zum Sprung in den Tod. Anderthalb Stunden hört Briggs ihm zu. Er hört, wie Kevin Berthia von seinen Depressionen und seiner kleinen Tochter erzählt, die viel zu früh geboren wurde, von den Kosten für die Behandlung, die sich als riesiger Schuldenberg vor ihm auftürmen, von dem Gefühl, versagt zu haben.

Lesetipp: Jemand will sich umbringen - was tun?

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