Sie befassen sich als Trauerbegleiter intensiv mit dem Leid eines jeden, und ich glaube, dass Sie bei jedem Einzelnen genau da sind, wo er oder sie gerade ist. Ist das der Schlüssel, jedem helfen zu können?
Martin Klumpp: Bei den Gesprächen braucht es Demut und Geduld. Es geht in erster Linie darum, zuzuhören. Und zu signalisieren: Du kannst bei mir dein Herz öffnen, ohne dass du beurteilt wirst. Alle Gefühle sind erlaubt. Demut bedeutet auch Mut, da zu sein und dazubleiben, auch wenn ich gar nichts machen kann, wenn ich also warten muss. Es geht zunächst nicht um das Helfen, sondern um das, was in den Betroffenen vorgeht, was sich in ihnen trotz allem Schmerz verändert. Auf diese Weise bin ich ein Katalysator für einen psychischen Prozess. Gefühle ändern sich nur, wenn sie gefühlt und zugelassen werden. Nur so kann Trauer leichter werden.
Wie kam es zu Ihrem Engagement?
Im Studium hatte ich wenig über Seelsorge und Therapie gelernt. Eigentlich ist es das Gleiche. Es geht um Kräfte, die wir nicht selber "machen" können. Die Psychologie spricht von psychischen Kräften, ohne zu sagen, woher sie kommen. Die Theologie redet von Gott, dem wir alle Kräfte, die in uns wirken, verdanken. In beidem geht es um die Frage, was uns in der Trauer hilft. Weil mir das wichtig war, habe ich mich in Tiefenpsychologie ausbilden lassen. Das hat mich fasziniert und war hilfreich.
4 Wochen gratis testen, danach mit 10 € guten Journalismus und gute Projekte unterstützen.
Vierwöchentlich kündbar.