Liebe Leserinnen und Leser,
frohe, gesegnete Weihnachten wünscht Ihnen die chrismon-Redaktion! Morgen hören wir in der Kirche, im Radio, im Familienkreis wieder die vertraute Geschichte vom Heiligen Abend in Bethlehem. "Es begab sich aber zu der Zeit" – also, ich kann’s auswendig und höre es immer wieder mit einem kleinen inwendigen Schauer.
Von dieser Geschichte gibt es viele lustige oder rührende Variationen, die allüberall auf Adventsnachmittagen und Betriebsweihnachtsfeiern erzählt werden. In einer soll der kleine Tim im Krippenspiel den Wirt geben, der für Maria und Josef keine Herberge hat. Tim ist ein gut erzogenes Kind und kann einfach nicht Nein sagen, wenn ihn jemand höflich um ein Bett bittet. Er sagt bei jeder Aufführung zum bittenden Josef: "Ja, gerne ..." Aber so funktioniert die Geschichte nicht.
In Frankfurt, der Stadt, in der die chrismon-Redaktion zu Hause ist, hört man sehr oft "leider nein", wenn man auf der Suche nach einer Herberge ist. Außer, man kann 800.000 Euro für ein Reihenmittelhaus am Stadtrand aufbringen, dann geht’s natürlich. Oder wenn man bei einer Großbank arbeitet, die einem ein Apartment im schicken Boarding-House bereitstellt. Dann kommt man klar. Aber mit einem mittleren Einkommen im Szeneviertel wohnen – kann man vergessen.
Es sei denn, man tut sich zusammen. Oder kommt sowieso mit weniger Raum aus. Stapelt die Betten. Braucht kein extra Wohnzimmer – solche Sachen. Muss man nicht mögen, kann man aber drüber nachdenken.
"Kein Raum in der Herberge" hieß der Arbeitstitel für unser Weihnachtsthema, und vielleicht finden Sie hier ja Anregungen für sich selbst – oder Sie fühlen sich einfach gut unterhalten. Zum Beispiel von der Familie, die in einem Dorf in einer Jurte lebt. Von dem Paar, das in ein Forsthaus gezogen ist, weit entfernt von den nächsten Nachbarn. Von der Innenarchitektin, die glaubt: Man kann sich auch ohne Umzug Platz verschaffen.
Ein guter Vorsatz fürs neue Jahr? Halt, jetzt erst mal Weihnachten.
Frohes Fest!
Anne Buhrfeind
Textchefin

