Die Frau war nicht zu stoppen. Zwei Jahre zuvor war Willi Hennebrüder ihr am Apfeltag im Obstmuseum "Pomarium Anglicum" in Sörup, Schleswig-Holstein begegnet. Hennebrüder engagiert sich im Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Ortsgruppe Lemgo. Er will den Menschen alte Apfelsorten näherbringen. Die Frau, die in Sörup vor ihm stand, hatte nach einem schweren allergischen Schock über 30 Jahre lang keinen Apfel mehr gegessen. Nun aber bat sie um eine Goldparmäne. "Das kann ich nicht verantworten", sagte Hennebrüder. Aber die Frau erwiderte: "Ich esse ihn auf eigene Verantwortung." Sie biss zu. Es passierte – nichts. Außer, dass die Frau vor Freude weinte.
Vor über zehn Jahren ahnte Hennebrüder erstmals, dass alte Sorten auch für Menschen verträglich sind, die allergisch auf Äpfel reagieren. Er wandte sich an Professor Karl-Christian Bergmann vom Allergiezentrum der Berliner Charité. Bergmann führte eine Beobachtungsstudie durch: 100 Leute aßen drei Monate lang täglich eine alte Apfelsorte. "Der Standardprovokateur bei der Apfelallergie ist nämlich ein Protein, das dem Allergen Bet v 1 in Birkenpollen ähnelt."
Die These war, dass alte Apfelsorten auch das Gegenmittel in sich tragen – die Polyphenole. Die aber sind in den neuen, handelsüblichen Sorten in geringerem Maß vertreten. Sie werden herausgezüchtet, weil sie das Fruchtfleisch schnell braun werden lassen. Bergmann beobachtete: Zwei Drittel der Teilnehmer vertrugen nach einem Vierteljahr sogar wieder einen Golden Delicious, der Allergikern oft besonders zusetzt.
Bergmann warnt allerdings vor zu großem Enthusiasmus: "Allergiker, die eine alte Sorte wie den Roten Boskoop probieren möchten, sollten ihn aufschneiden und eine Minute an die Lippe halten. Wenn die Lippen nicht anschwellen, können sie erst mal nur ein Achtel des Apfels probieren. Dann sollten sie 15 Minuten abwarten – und langsam mehr essen." So könnten Schockreaktionen vermieden werden.
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Viele Infos für Allergiker finden sich auf der Seite des BUND Lemgo.





