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Da ich nicht hinter dem Mond lebe, habe ich sehr wohl mitbekommen, dass man mit Tierfotos im Internet groß rauskommen kann. Allerdings besitze ich keine Haustiere und lasse überhaupt nicht-menschliche Lebewesen am liebsten in Ruhe. Deshalb habe ich bisher keine Katzenfotos oder ähnliches gepostet.
Jetzt aber möchte ich von einem überwältigenden Glück erzählen: In meiner Nachbarschaft lebt eine Eule, genauer gesagt ein Waldkauz.
Im Park an der Westseite der Außenalster wohnt sie in einem hohen, großen Astloch. Wie sie dahin gekommen ist und wo sie vorher gelebt hat, weiß nicht. Oft komme ich daran vorbei – zum Beispiel, wenn ich morgens zum Rudern radle. Selten habe ich früher die Bäume empor geschaut. Aber ein Ruderfreund hatte mir im Frühsommer von der Eule in diesem Baum erzählt. Als Erstes sei sie einer Kindergartengruppe aufgefallen, die einen Ausflug gemacht habe. Häufig habe ich danach vergeblich vor dem Baum angehalten, aber bloß ein verwaistes Astloch gesehen. Doch seit Anfang Juli sitzt die Eule wieder regelmäßig dort.
Wieder und wieder halte ich also vor dem Baum an und schaue hinauf. Das ist jedes Mal eine große Freude: was für ein schönes und stolzes Tier! Was für eine seltene Erscheinung! Wenn ich dann so dastehe, weise ich gern vorbeikommende Spaziergänger, Fahrradfahrerinnen, Hundeausführer oder Joggerinnen auf die Eule hin.
Es dauert einen kurzen Moment – denn sie ist perfekt in ihre Umwelt eingepasst –, dann freuen sich alle mit mir. Natürlich müssen alle Fotos machen. Aber wir sprechen auch miteinander und teilen das Glück. Gemeinsam stehen wir da und staunen.
Der Eule dort oben ist unsere Euphorie hier unten allerdings ziemlich gleichgültig. Sie hält Ausschau nach Beute oder sitzt einfach nur da.