Ich habe einen Organspendeausweis, schon lange. Und das sieht man ihm auch an. Damit er in meinen Geldbeutel passt, musste ich ihn in der Mitte einmal knicken. Er hat Flecken und seine Kanten sind weich und ein wenig ausgefranst. Aber das Kreuz, das ich mit schwarzem Kugelschreiber auf ihm gesetzt habe, sieht man auch nach all den Jahren zwischen Kassenzetteln, Punktekarten und Geldscheinen klar und deutlich. Dass es in dem runden Kästchen vor dem NEIN steht, weiß außer meiner Familie niemand, glaube ich.
Warum aber habe ich das so entschieden? Warum tue ich mich so schwer mit dem Gedanken, meinen toten Körper "freizugeben", wenn er nur noch Materie ist, ohne Geist?
Ich habe dieses NEIN zunächst einfach deswegen angekreuzt, damit meine Familie, sollte ich sterben, keine Entscheidung darüber treffen muss, was mit meinen Organen passieren soll. Denn in Deutschland gilt aktuell die sogenannte Zustimmungsregelung. Ihr zufolge dürfen Organe nur dann postmortal entnommen werden, wenn eine Person zu Lebzeiten ihr JA zur Organspende dokumentiert hat oder die Angehörigen diese Entscheidung nach dem Tod treffen.
Diese "Zustimmungsregelung" könnte sich jedoch bald ändern. Denn derzeit wird im Bundestag erneut darüber diskutiert, die sogenannte Widerspruchslösung einzuführen. Wer einer Organentnahme nicht aktiv widerspricht, dessen Körper soll potenziell für die Organspende zur Verfügung stehen.
4 Wochen gratis testen, danach mit 10 € guten Journalismus und gute Projekte unterstützen.
Vierwöchentlich kündbar.





