Bernd Littwin:
Die Nacht vor meinem letzten Arbeitstag habe ich unruhig geschlafen, ich war doch ziemlich aufgeregt. Ich wusste, ich würde nie mehr wiederkommen, das habe ich als großen Einschnitt erlebt. Ich war immer sehr gern bei der Post gewesen, auf den Tag genau 50 Jahre.
Mit 14 habe ich als Zusteller angefangen. Schwere Tasche über der Schulter, Sechs-Tage-Woche bei Wind und Wetter, an manchen Tagen bin ich 20 Kilometer gelaufen. Das war anstrengend, damals war ich dünn wie ein Strich. Mit 18 wurde ich Schalterbeamter, später habe ich im Paketdienst leitende Funktionen gehabt. 2019 wurde ich Leiter eines Paketzentrums in der Nähe von Bremen, rund 50 Kilometer von meinem Wohnort Scheeßel entfernt. Dort war ich bis zu meiner Rente Chef von 380 Leuten.
Mein letzter Tag, das war der 29. August 2025. Ich weiß noch genau, was ich anhatte, weißes Hemd, Jeans, keine Krawatte, das fand ich zu formell. Meine Partnerin hat mir morgens noch beruhigende Worte mit auf den Weg gegeben, ich sei doch als Chef immer beliebt gewesen, es würde bestimmt schön werden. Ihre Worte haben mir gutgetan gegen die Aufregung. Im Auto habe ich mir immer wieder gesagt: "Sei stark, keine Tränen". Eigentlich bin ich nicht so nahe am Wasser gebaut, aber manchmal passiert es halt doch. Vorsorglich hatte ich mir ein Paket Papiertaschentücher eingesteckt.
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