Manosphere
"Frauenhass ist längst keine Randerscheinung mehr"
Die Incel-Bewegung propagiert radikale Männlichkeit und Frauenverachtung. Was tun, wenn der eigene Sohn damit sympathisiert? Interview mit dem Sozialpsychologen Rolf Pohl
Zu sehen ist ein abstraktes Porträt eines nachdenklichen Mannes
Die potenziell gefährlichste Ausdrucksform dieser Manosphere sind die sogenannten Incels
Jonathan Knowles / Getty Images
Tim Wegner
15.04.2026
8Min

chrismon: Herr Pohl, worüber sprechen wir, wenn von Manosphere die Rede ist?

Rolf Pohl: Wenn wir von der Manosphere sprechen, meinen wir kein klar abgegrenztes Milieu, sondern ein ganzes Spektrum digitaler Subkulturen. Was sie eint, ist eine bis zum Hass reichende Feindseligkeit gegenüber Frauen. Damit geht häufig die Vorstellung einher, dass Männer in der modernen Gesellschaft benachteiligt seien – und dass Frauen ihnen etwas weggenommen hätten, das ihnen eigentlich zustehe. Man könnte sagen: Es ist eine Gegenbewegung zur Gleichberechtigung, die sich vor allem im Netz organisiert.

Welche Gruppierungen sind das?

Hier tummeln sich antifeministische Männerrechtler, die an eine totalitäre Herrschaft der Frauen über die Männer glauben, und dazu Gruppierungen wie die "Pick-up-Artists", die Frauen manipulieren und so ins Bett kriegen wollen, oder die "MGTOWs" (Men Going Their Own Way), die Frauen für so bösartige Schlangen halten, dass sie sich komplett zurückziehen. Neuerdings gibt es die "NoFaps", die asketisch auf Pornografie und Masturbation verzichten, um nicht durch sexuelle Fantasien über Frauen "entstählt" zu werden. Die extremste und potenziell gefährlichste Ausdrucksform dieser Manosphere sind die sogenannten Incels. Es handelt sich dabei um eine Wortneuschöpfung aus involuntary und celibate. Sie bezeichnen sich selbst als unfreiwillig im Zölibat lebende Männer, die trotz größtmöglicher Anstrengungen nicht in der Lage seien, eine Partnerin zu finden.

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