Das Schlimmste waren die "Mittagsschläfchen". Wenn der Vater mit ihr zusammen im Bett lag. Der Vater, den sie so liebte, weil er sich mit ihr beschäftigte - im Gegensatz zur distanzierten Mutter. Aber die "Spiele", die er anbot, dienten seiner Sexualität. Bis heute schämt sich Colette* dafür, dass der Vater das mit ihr tat. Wie gern würde sie diese Scham loswerden. So wie es Gisèle Pelicot gesagt hat im Prozess gegen ihren Ehemann und die zahllosen Männer, die sie unter Betäubung vergewaltigt hatten: "Die Scham muss die Seite wechseln."
Deshalb will Colette, 56, erzählen, was sie als Kind erlebt hat. Dass es Folgen für ihr ganzes Leben hatte. Aber sie will auch erzählen, dass es ein Leben nach dem Missbrauch gibt. Missbrauch eines Kindes meint: Missbrauch der Macht über ein Kind.
Manches in Colettes Geschichte ist sehr besonders, anderes ist typisch für Betroffene von Missbrauch. Und es sind viele betroffen. Die Forschung geht davon aus, dass etwa jede achte erwachsene Person in Deutschland sexuelle Gewalt in Kindheit und Jugend erlitten hat. Wir alle also kennen Opfer. Wir wissen es nur nicht.
Schon der Lebensanfang war schwierig. Colettes Mutter ist Mitte 30, als sie schwanger wird; sie lebt in der französischsprachigen Schweiz, arbeitet als Chefsekretärin, ihr Liebhaber ist ein Wissenschaftler, Anfang 50, verheiratet, mit vielen außerehelichen Beziehungen, wie sich bald herausstellt. Die Mutter bemerkt die Schwangerschaft erst im sechsten Monat.
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Wichtig zu wissen
Aufarbeitung
Jede von Missbrauch betroffene Person kann der Aufarbeitungskommission ihre Geschichte in geschützter Atmosphäre erzählen - per Video oder in einer von 13 Städten. Anreisekosten werden übernommen. www.aufarbeitungskommission.de unter dem Reiter "Ihre Geschichte"
Hilfe
Wenn Sie ein "komisches Gefühl" haben oder sogar den Verdacht, dass ein Kind womöglich missbraucht wird, hilft Ihnen anonym das Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch weiter.

